Kabarettpreis

Auch eine freche Ratte räumte diesmal ab

Adabei Österreich
14.10.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Von Rolf Rüdiger bis zu bissiger Polit-Satire: Im Wiener Globe wurde am Dienstagabend der Österreichische Kabarettpreis verliehen. Während Severin Groebner den Hauptpreis holte, jubelten auch Robert Steiner und Stefan Gaugusch sowie Chrissi Buchmasser und David Scheid. 

Im Wiener Globe war am Dienstagabend Lachen ausdrücklich erwünscht. Schließlich wurde der Österreichische Kabarettpreis erneut vergeben. Allerdings gab es heuer eine kleine Besonderheit, denn diesmal durfte sogar eine freche Ratte jubeln. Stefan Gaugusch alias Rolf Rüdiger und Kollege Robert Steiner wurden für mehr als zwei Jahrzehnte Radiounterhaltung mit einem Sonderpreis geehrt. „Wir freuen uns wahnsinnig und sind total überrascht. Mit allem haben wir gerechnet, aber nicht damit“, verrieten die beiden der „Krone“. Und ganz ohne Schmäh ging es natürlich nicht: „Mit Sondermüll oder mit Sonderschule hätten wir eh gerechnet – wobei ein bisschen sonderbar sind wir ja, also passt es“, scherzten sie.

Die freche Ratte hat jetzt einen Preis
Bereits seit 2005 unterhalten Steiner und die freche Ratte auf Radio Wien ihre Hörer. Was einst als vierwöchige Adventshow begann, entwickelte sich zu einem echten Dauerbrenner. Mit „WOW – Wissen, oder was?“ und „Extra WOW – Die 2 um 2“ begeistern die beiden mittlerweile Generationen von Kindern, Eltern und Großeltern. Dabei kennen sich Robert und Rolf Rüdiger schon viel länger: Gemeinsam standen sie einst für das legendäre ORF-Kinderprogramm „Confetti TiVi“ vor der Kamera. Dass man sich bei so vielen gemeinsamen Jahren auch einmal gegenseitig auf die Nerven geht, ist wohl kein großes Geheimnis. „Das ist so ein Auf und Ab, wenn man so eng zusammenarbeitet. Aber wir raufen uns immer wieder gut zusammen“, erzählten sie lachend.

Ein eingespieltes Duo: Robert Steiner und Rolf Rüdiger haben sich immer was zu sagen.
Ein eingespieltes Duo: Robert Steiner und Rolf Rüdiger haben sich immer was zu sagen.(Bild: Alexander Tuma)

Das stille Örtchen
Und zu erzählen gibt es nach all den Jahren natürlich einiges! Besonders in Erinnerung geblieben ist den beiden eine Live-Radiosendung aus dem Zirkus Roncalli. „Um acht Uhr in der Früh am Sonntag ist alles, nur nicht lustig“, scherzten sie. Umso größer war die Überraschung, als sie vor einem vollen Haus standen. Kein Wunder also, dass Roncalli-Chef Bernhard Paul an diesem Abend auch die Laudatio auf das Duo hielt.

Eine Frage blieb allerdings noch offen: Wer darf den frisch gewonnenen Kabarettpreis eigentlich mit nach Hause nehmen? Schließlich stehen beide Namen darauf, aber es gibt nur eine Trophäe! „Das ist eine Streitfrage“, lacht Steiner. Eine Möglichkeit wäre, sich mit dem Preis einfach abzuwechseln. Und wo bekommt das gute Stück dann seinen Ehrenplatz? „Am Klo“, verriet Gaugusch, denn da würde man den Preis jeden Tag sehen. Na, wenn das kein ganz besonderer Platz für einen Sonderpreis ist.

Für jeden Schmäh zu haben. Zwischen zwei Verkehrshütchen posierte Kabarettist David Scheid für ...
Für jeden Schmäh zu haben. Zwischen zwei Verkehrshütchen posierte Kabarettist David Scheid für Fotos.(Bild: Alexander Tuma)

Der Preis ist für Scheids Wegbegleiter
Grund zum Feiern hatte aber auch Satire-Comedian David Scheid, der für sein viertes Soloprogramm „The Kabarettist“ mit dem Programmpreis ausgezeichnet wurde. Darin verbindet er politischen Humor mit Hip-Hop, Rap und Schauspiel und wirft einen durchaus düsteren Blick in die Zukunft. Scheid schlüpft dabei in die Rolle seiner selbst, der in das letzte demokratische Land der Welt geflüchtet ist. Mit reichlich Satire beschäftigt er sich mit der Frage, wie schnell Meinungsfreiheit und Demokratie ins Wanken geraten können.

Dass er dafür nun ausgezeichnet wurde, bedeutet ihm viel. „Gerechnet habe ich nicht damit. Aber es bedeutet mir sehr viel, weil diesmal wirklich ganz viele Leute bei dem Programm mitgearbeitet haben“, freute sich Scheid im Gespräch mit der „Krone“. „Es war sehr aufwendig und hat viel Geld gekostet. Darum freue ich mich extrem. Der Preis geht an alle Menschen, die daran mitgearbeitet haben.“ Aber was macht für ihn eigentlich einen guten Kabarettisten aus? „Ich mag es, wenn es nicht so oberflächlich ist, sondern ein bisschen in die Tiefe geht. Wenn ich als Zuschauer merke, dass jemand Dinge beobachtet hat, die mir noch gar nicht aufgefallen sind, oder wenn ich mir denke: Das habe ich auch gesehen, oder so habe ich es noch nie gesehen.“

Erst zur Mama, dann ins Bett? 
Bleibt nur noch die Frage, wo seine neue Trophäe einen Ehrenplatz bekommt. Schließlich ist das bei Preisen ja immer so eine Sache. „Das ist immer ein Problem, weil diese Dinger so viel Staub fangen“, sagt Scheid lachend. Einen Plan hat er aber bereits: „Eine Zeit lang werde ich ihn ehrenvoll anschauen und dann werde ich ihn irgendwann meiner Mama geben, glaube ich.“ Und wer jetzt glaubt, dass der frischgebackene Preisträger seinen Erfolg noch ordentlich begießen wird, liegt falsch. Auf die Frage, ob es nach der Gala zum Feiern oder doch lieber ins Bett gehe, antwortete er trocken: „Lieber ins Bett. Ich muss morgen wieder arbeiten.“

Den Hauptpreis des Abends holte sich Severin Groebner für sein Programm „Ich bin das Volk“, in dem er auf satirische Weise die Mechanismen autoritärer Macht beleuchtet. Über den Förderpreis durfte sich hingegen Chrissi Buchmasser freuen, die in ihrem zweiten Programm „Zugzwang“ die großen und kleinen Entscheidungen des Lebens aufs Korn nimmt.
Unter den Gästen im Publikum befanden sich Kernölamazone Gudrun Nikodem-Eichenhardt sowie Christian Schwab und Herbert Haider von den Comedy Hirten.

Wer die Verleihung verpasst hat, kann die Gala am 18. Dezember auf ORF 1 nachsehen.

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