Vor dem Westderby in der 2. Liga am Freitag (20.30 Uhr, live auf ORF Sport+) sprach Austria Salzburgs Obmann David Rettenbacher über seine prägendste Erinnerung an das Duell mit Wacker Innsbruck, die Ausgangslage und was beide Vereine verbindet und trennt.
„Krone“: Herr Rettenbacher, das Westderby wartet. Wie groß ist die Anspannung bei Ihnen?
David Rettenbacher: Gar nicht mehr so groß, wie ich es erwartet habe. Es war klar, dass es irgendwann wieder zu diesem Spiel kommt. Bei so einem Duell gibt es viele Themen, die einen im Vorfeld beschäftigen. Aber mittlerweile kann ich mich auf das Spiel in all seinen Facetten freuen. Ich denke, dass wir ein Fußballfest erleben, auf das ganz Österreich blickt.
Die Emotionen sind groß.
Solche Derbys laden sich durch jedes weitere Spiel auf. Jedes Duell schreibt irgendeine Geschichte. Die Medien tragen auch etwas dazu bei, was ich aber gar nicht ausschließlich im negativen Sinne meine. Der Fußball braucht solche Spiele.
Für Sie selbst ist es das erste Westderby als Obmann. Welche prägende Fan-Erinnerung haben Sie?
Im Herbst 1999 bin ich zum ersten Mal mit einem Sonderzug und 300-400 Leuten nach Innsbruck gefahren. Dann sind wir gemeinsam zum Stadion marschiert und haben die Rivalität hautnah miterlebt. Als Jugendlicher war das sehr prägend.
Abseits des Platzes kracht es regelmäßig. Was kann man als Verein tun, um das Risiko da zu minimieren?
Viele Gespräche führen. Unsere Fans haben schon gelernt, dass die Austria speziell im Fokus steht. Das letzte mal gab es im Cup-Spiel gegen Sturm Graz Probleme – das ist 12 Jahre her. Bei jedem Bierzelt am Land oder am Salzburger Rudolfskai passiert in einer Nacht mehr als bei uns im gesamten letzten Jahrzehnt. Der Verein ist unser Baby, wir schauen gemeinsam drauf, dass so wenig wie möglich passiert. Und ein Derby ist trotzdem ein Derby, da hängt viel von einzelnen Faktoren wie auch dem Auftreten des Sicherheitsapparates ab.
Was verbindet die beiden Vereine, was trennt sie?
Die Strahlkraft und die große Fanszene sowie die Verankerung in der Bevölkerung verbinden, die jeweiligen Ausrichtungen trennen sie mittlerweile aber klar. Wir schauen auf das Gemeinsame, die Mitgliederbestimmung, auf wenig Einflussnahme von Externen. Zugespitzt könnte man meinen, dass bei uns knapp 2.000 Vereinsmitglieder die großen Entscheidungen treffen, bei Wacker der reiche Onkel aus Amerika. Das ist durchaus legitim und führt ja auch dazu, dass Wacker für den Kader das rund 4-fache Budget zur Verfügung hat. Dennoch sind wir gern Herr im eigenen Haus und geben unser Schicksal ungern in fremde Hände. Da gibt es einfach unterschiedliche Ansätze.
Wacker liegt in der 2. Liga knapp vor der Austria. Wie sehen Sie die Ausgangslage?
Wir sind ein gefährlicher Außenseiter, haben eine gute Truppe, viel Selbstvertrauen. Ein volles Heimstadion ist aber ein Vorteil.
Beide Vereine haben sich vor Jahrzehnten gut verstanden. Wie hoch sind die Chancen, dass das irgendwann wieder einmal der Fall ist?
Ich glaube nicht daran. Solche Themen werden viel über die Fanszenen gespielt. Unter den Vereinen ist es aber nicht so, dass man sich spinnefeind ist. Da gibt es ein professionelles Verhältnis. Und wie es im Leben halt so ist: bei manchen freut man sich mehr, wenn man sie sieht, bei manchen weniger.
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