Brauchte dringend Geld

Brisante Chats belasten Trump-Botschafterin

Außenpolitik
10.10.2026 19:09
Porträt von krone.at
Von krone.at

Kimberly Guilfoyle war jahrelang die Verlobte von Donald Trump Jr. und zählt zu den prominenten Unterstützerinnen des US-Präsidenten. Doch kurz vor ihrem Amtsantritt als US-Botschafterin in Griechenland soll sie einen Trump-Unterstützer um 100.000 Dollar (rund 86.000 Euro) gebeten haben – für eine offene Kreditkartenrechnung und möglichst ohne nachvollziehbare Geldspur. Brisante Nachrichten werfen nun Fragen über ihre finanziellen Verhältnisse und ihre Kontakte in die US-Regierung auf.

Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf ausgewertete Nachrichten berichtet, stand Guilfoyle über Monate mit Eric Deters in Kontakt. Der 63-jährige Anwalt und frühere Kongresskandidat aus Kentucky hoffte darin, dass sie ihm bei persönlichen Steuer- und Rechtsproblemen helfen könnte. Dafür stellte er nach eigenen Angaben hohe Zahlungen in Aussicht.

Geld „wird nirgendwo aufscheinen“
Am 3. Juli 2025 soll Guilfoyle Deters über den verschlüsselten Nachrichtendienst Signal geschrieben haben, sie benötige dringend 100.000 Dollar für ihre Kreditkartenrechnung bei American Express. „Wenn du das Geld direkt an American Express überweist, wird es nirgendwo aufscheinen“, soll sie geschrieben haben.

Nur wenige Tage später, am 9. Juli, stand ihre Anhörung im US-Senat zur Bestätigung als Botschafterin an. Deters lehnte die Zahlung letztlich ab, weil sie ihn nach eigenen Angaben seine Ehe kosten würde.

US-Außenminister Marco Rubio lobte Guilfoyle bei einem Termin in Athen. Die Vorwürfe rund um ...
US-Außenminister Marco Rubio lobte Guilfoyle bei einem Termin in Athen. Die Vorwürfe rund um ihre privaten Geldforderungen wollte er nicht ausdrücklich kommentieren.(Bild: EPA/ALEXANDROS BELTES)

Vorwürfe wegen politischer Gefälligkeiten
Die Nachrichten sind Teil eines umfangreichen Austauschs aus Hunderten Mitteilungen, E-Mails und Briefen. Sie legen laut dem Bericht nahe, dass Guilfoyle Deters politische Unterstützung in Aussicht stellte. Dieser wollte unter anderem erreichen, dass das US-Justizministerium die Auslieferung eines nach Pakistan geflohenen Arztes aus Ohio vorantreibt. Dem Mediziner wurde vorgeworfen, Versicherungen durch unnötige Wirbelsäulenoperationen betrogen zu haben – auch an Kindern.

Außerdem wollte Deters mit dem damaligen designierten Chef der US-Steuerbehörde IRS, Billy Long, über einen Steuerstreit sprechen. Die Behörde stellte einen von ihm geltend gemachten Steuerabzug infrage. Deters hielt das Vorgehen für politisch motiviert.

Eine Million Dollar für ein Interview?
Guilfoyle soll ihm auch Kontakte zu hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung, darunter dem damaligen FBI-Direktor Kash Patel und der früheren Justizministerin Pam Bondi, in Aussicht gestellt haben. Für die Vermittlung eines Interviews mit dem früheren Fox-News-Moderator Tucker Carlson stellte Deters nach eigener Darstellung sogar eine Million Dollar (rund 856.000 Euro) in Aussicht. Ein Interview kam jedoch nicht zustande.

Carlson erklärte, er kenne Deters nicht und Guilfoyle habe keinen Einfluss auf seine Gästeauswahl. „Eine Million Dollar für einen Auftritt in einem Podcast? Ist sie nicht die Botschafterin in Griechenland? Das ist völlig verrückt“, sagte er.

Beide Seiten weisen Vorwürfe zurück
Guilfoyles Anwalt Jesse Binnall bestritt die Echtheit der veröffentlichten Nachrichten, ohne seine Zweifel näher zu erläutern. Zugleich erklärte er, seine Mandantin habe vor ihrer Nominierung Geld für Auftritte erhalten und noch offene Ansprüche für Reisen und die Unterstützung patriotischer Veranstaltungen gehabt. Deters wiederum erklärte, Guilfoyle nichts mehr schuldig zu sein.

Die US-Botschaft verteidigte die Diplomatin. Sie sei vom parteiübergreifenden Auswärtigen Ausschuss des Senats umfassend überprüft und vom Senat bestätigt worden. Guilfoyle vertrete das amerikanische Volk mit Engagement und Integrität. Auch US-Außenminister Marco Rubio stellte sich hinter sie. Bei einer Pressekonferenz in Athen am Mittwoch lobte er die Arbeit der Botschaft und bezeichnete Guilfoyle als starke Botschafterin.

Bereits in der Vorwoche hatten Demokraten in den außenpolitischen Ausschüssen des US-Kongresses eine Überprüfung ihres Verhaltens durch das Außenministerium gefordert. Dabei ging es auch um ihre Unterstützung für ein griechisches Unternehmen, dessen Lobbyist sie zu Treffen mit Regierungen auf dem Balkan begleitet haben soll.

Sorge um das eigene Amt
Aus den Nachrichten geht laut „Wall Street Journal“ zudem hervor, dass Guilfoyle offenbar befürchtete, ihre Absprachen mit Deters könnten öffentlich werden. Wiederholt soll sie ihn aufgefordert haben, Geld und Vereinbarungen nicht schriftlich zu erwähnen. Im Jänner 2025 warnte sie demnach, er könne sie ihr Botschafteramt kosten.

Im Juni 2025 soll Guilfoyle Deters gebeten haben, ein Schreiben über zwei ausstehende Zahlungen von jeweils 50.000 Dollar (rund 42.800 Euro) für Beratungsleistungen aufzusetzen. In einem Brief vom 11. Juni wurde eine offene Zahlung von 50.000 Dollar vor ihrem Amtsantritt erwähnt. Deters erklärte, Guilfoyle habe sich Sorgen über die rechtliche Zulässigkeit und die Außenwirkung ihrer Vereinbarungen gemacht.

Zwei Tage nachdem Guilfoyle dem damaligen IRS-Chef Long eine Nachricht zu Deters‘ Steuerfall geschickt hatte, beklagte sich dieser schriftlich, er habe ihr bereits 300.000 Dollar gezahlt, dafür aber keine Gegenleistung erhalten. Guilfoyle soll ihn erneut aufgefordert haben, solche Dinge nicht schriftlich festzuhalten. Kurz darauf folgte die Bitte um die 100.000 Dollar für American Express.

Millionenprojekte und finanzielle Sorgen
Guilfoyle hatte nach der Wahlniederlage Trumps 2020 versucht, ihre Bekanntheit geschäftlich zu nutzen. Sie startete unter anderem eine politische Beratungsfirma sowie Projekte im Kosmetik- und Duftbereich. Mit ihrer Marke American Dream wollte sie Wodka und Champagner verkaufen. Laut einem Investorenpapier sollten 2024 zwei Millionen Dollar eingesammelt werden; innerhalb von drei Jahren waren 75 Millionen Dollar Umsatz geplant. Das Unternehmen wurde später aufgelöst.

In ihren Finanzangaben vom Februar 2025 meldete Guilfoyle unter anderem einen Bootskredit von 100.000 bis 250.000 Dollar (rund 86.000 bis 214.000 Euro) und eine Hypothek von einer bis fünf Millionen Dollar (rund 856.000 bis 4,28 Millionen Euro). Zugleich gab sie Podcast-Einnahmen von knapp 800.000 Dollar (rund 685.000 Euro) an. Als Vermögenswerte führte sie unter anderem ein Medspa und ein Wodka-Unternehmen an, die jeweils zwischen einer und fünf Millionen Dollar wert sein sollten.

Auch beim gemeinsamen Anwesen in Florida ging es um Millionen. Guilfoyle und Trump Jr. hatten das Haus für 9,7 Millionen Dollar gekauft. Nachdem ein Verkaufsversuch zum Preis von 30 Millionen Dollar erfolglos geblieben war, kaufte Trump Jr. ihr ihren Anteil 2026 für 7,6 Millionen Dollar (rund 6,5 Millionen Euro) ab.

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