10. Oktober 1920

Als sich Kärnten für seine Zukunft entschieden hat

Kärnten
10.10.2026 09:01

Am 10. Oktober 1920 stand eine bis dahin noch nie durchgeführte Volksabstimmung am Ende eines beinahe zwei Jahre dauernden Kampfes. Das historische Ereignis gibt uns heute noch den Auftrag, für Freiheit, Frieden und ein respektvolles Miteinander zu sorgen.

Fahnen, Feiern, Reden, Erinnerungen an ein Ereignis, das vor 106 Jahren stattfand – geht uns das noch was an? Ja! Und das sollte es vielleicht noch mehr. Denn ab Ende 1918 wurde in Kärnten um Freiheit, um Unabhängigkeit, und für Selbstbestimmung gekämpft. Am 10. Oktober 1920 wurde das Volk gefragt, was es für seine Zukunft will – ein für die damalige Zeit völlig neues Vorgehen. Diese Errungenschaften von Freiheit und Frieden sind für uns in der Gegenwart selbstverständlich, doch Freiheit und Frieden sind nicht überall und nicht jederzeit Normalität, zu viele Länder befinden sich im Krieg. Frieden beginnt mit einem respektvollen Miteinander, das am heutigen Landesfeiertag in Kärnten einmal mehr thematisiert wird.

Ab 11 Uhr wird heute im Landhaushof der Volksabstimmung gedacht und das historische Ereignis ...
Ab 11 Uhr wird heute im Landhaushof der Volksabstimmung gedacht und das historische Ereignis gefeiert.(Bild: Evelyn Hronek)
Nach der Abstimmung wurde in Klagenfurt gefeiert. Die allegorische Frauengestalt Carinthia ...
Nach der Abstimmung wurde in Klagenfurt gefeiert. Die allegorische Frauengestalt Carinthia rief einen Deutschen und einen Slowenen, den Pischeldorfer Anton Wieser und den Maria Rainer Jakob Lutschounig auf, aus dem eigens dafür angefertigten Doppelbecher Wein zu trinken. Sie aßen zudem gesalzenes, geteiltes Brot und gaben einander den Bruderkuss.(Bild: Kärntner Landesarchiv)
16 Opfer des Abwehrkampfes wurden am Völkermarkter Kreuzbergl-Friedhof bestattet. Tote und ...
16 Opfer des Abwehrkampfes wurden am Völkermarkter Kreuzbergl-Friedhof bestattet. Tote und Verletzte gab es auf beiden Seiten.(Bild: Alexander Schwab)

Was war geschehen?
Das Ende der Monarchie machte die Gründung neuer Staaten und das Ziehen neuer Grenzen notwendig; strittige Grenzfragen gehörten bei einigen der heutigen Bundesländer Österreichs dazu – damit mussten sich die Burgenländer, Tiroler, Steirer und Kärntner auseinandersetzen.

In Kärnten stellte das neue Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben Gebietsansprüche. Am 7. November 1918 begann die Besetzung von Teilen Kärntens durch südslawische Verbände. Jugoslawische Behörden internierten deutschsprachige Kärntner, Kärntner Behörden inhaftierten Kärntner Slowenen. Beide Seiten hatten Tote und Verletzte zu beklagen. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg war die Not groß, es fehlte an Essen, oft war nicht einmal Notbrot, das mit Sägespänen, Kleie, Eicheln versetzt war, da. Und schon rutschte Kärnten gleich in den nächsten bewaffneten Kampf. 

Zitat Icon

Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft. 

Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Gelehrter, Schriftsteller und Staatsmann

1919 kam erstmals die Idee auf, die Menschen selbst über die Grenze entscheiden zu lassen.

Für die Vorbereitung der Volksabstimmung und die Propaganda wurde der Kärntner Heimatdienst gegründet. Ein „Wahlkampf“ mit Plakaten und Flugblättern folgte: Sechs Millionen Stück pro-österreichische Propagandaschriften wurden in den Kärntner Druckereien hergestellt!

Grüne Zettel in der Überzahl
Am 10. Oktober 1920 öffneten um 7 Uhr 97 Wahllokale. 59 Prozent stimmten für den Verbleib bei Österreich. Da 22.025 grüne Zettel abgegeben wurden, müssen, so Historiker Wilhelm Wadl im Buch „Der 10. Oktober 1920 – Kärntens Tag der Selbstbestimmung“, mindestens 10.500 Kärntner mit slowenischer Umgangssprache für Österreich votiert haben.

Gefeiert wird das historische Ereignis rund um den 10. Oktober in allen Gemeinden Kärntens. Am heutigen 10. Oktober lädt das Land Kärnten zu offiziellen Gedenkveranstaltungen: Die Feierlichkeiten beginnen um 9.30 Uhr mit einer Gedenkzeremonie am Friedhof Klagenfurt-Annabichl. Anschließend findet um 11 Uhr ein Festakt im Landhaushof statt. 

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