Verdacht in Sibirien

Seit 80 Jahren kein Pestfall mehr in Österreich

Österreich
09.10.2026 10:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem Tod einer Mitarbeiterin eines Pest-Forschungszentrums in Sibirien blühen die Spekulationen. In Österreich hat es seit 1945 keinen einzigen Pestfall mehr gegeben, wie die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) mitteilte.

Auch das Risiko der Einreise einer infizierten Person sei sehr gering, heißt es auf der Website. Eine der letzten großen Epidemien Westeuropas ereignete sich 1720 bis 1722 in Marseille. In anderen Teilen Europas kam es danach noch zu größeren und kleineren Ausbrüchen. Die Pest kommt laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) heute in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor. So sind etwa kleinere Ausbrüche der Beulenpest für Madagaskar nicht ungewöhnlich. Viele Tierarten sind ein Träger für das Bakterium.

Unterschieden wird zwischen Beulenpest, Pestsepsis, Lungenpest und speziellen Verlaufsformen wie die Pestis minor, bei der Infizierte nur leicht erkranken. Mögliche Symptome sind Schüttelfrost, ein rascher Anstieg der Körpertemperatur auf über 40 Grad Celsius, Pusteln, kleine Geschwüre und Kopfschmerzen.

Die Infografik erklärt die Pest. Sie zeigt, dass die Krankheit durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird und meist von infizierten Tieren wie Ratten über Flöhe auf Menschen übertragen wird. Es gibt drei Verlaufsformen: Beulenpest mit befallenen Lymphknoten, Lungenpest mit schneller Todesfolge ohne Behandlung und Pestsepsis mit Organversagen. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden, wenn früh begonnen wird. Es gibt keine Schutzimpfung. Quelle: AGES.
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Die Lungenpest kann sich als Folge einer Beulenpest entwickeln. Hierbei lösen laut AGES die Erreger eine Lungenentzündung aus, die zu Husten und Auswurf hochinfektiösen Schleims, in weiterer Folge auch zur Zerstörung von Lungengewebe führt. Diese Form hat eine sehr kurze Inkubationszeit von maximal zwei bis drei Tagen und verläuft unbehandelt fast immer tödlich.

Russische Behörden versuchen, zu beruhigen
Wie berichtet, ist vergangene Woche in Sibirien eine Labormitarbeiterin mutmaßlich an der Lungenpest gestorben. Die russischen Behörden sagten, die 28-Jährige habe eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ gehabt. Laut russischen Medien infizierte sie sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas. Anschließend seien etwa 200 Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt worden.

Die russischen Behörden teilten jetzt mit, „keine Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Infektionsgefahr“ festgestellt zu haben. Die „gesamte Bandbreite vorbeugender Maßnahmen“ in der Region sei abgeschlossen, sagte Gouverneur Igor Kobsew. Vertreterinnen und Vertreter aus den Vereinigten Staaten, der EU und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigten sich angesichts der Berichte besorgt und forderten den Kreml zu Transparenz auf. Zuvor war unter anderem über einen möglichen zweiten Lungenpest-Fall berichtet worden. Die russische Regierung sprach von „Falschinformationen“.

Dass die offiziellen Angaben angezweifelt werden, hat unter anderem damit zu tun, dass sowjetische und russische Behörden in der Vergangenheit Katastrophen oft geleugnet oder heruntergespielt haben.

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