Gegen Sparpolitik

Schülerproteste arten nun auch in Belgien aus

Ausland
05.10.2026 22:59
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die gewaltsamen Schülerproteste in Frankreich haben mittlerweile auch auf Belgien übergegriffen. Am Montag ist es den dritten Tag in Folge in mehreren Städten des französischen Teils des Landes zu Zusammenstößen und Sachbeschädigungen gekommen.

Bei einer Demonstration in Lüttich mit rund 1000 Teilnehmern seien Dutzende Menschen festgenommen und 18 Polizeibeamte leicht verletzt worden, teilte die belgische Polizei am Montag mit. Einige Demonstranten hätten Brände gelegt, darunter in Mülltonnen. Die Demonstranten in Lüttich hätten Pflastersteine und Absperrgitter geworfen sowie Bushaltestellen beschädigt, berichtete die Polizei weiter. Daraufhin hätten die Polizeibeamten Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt.

Auch dieser Elektroroller musste daran glauben.
Auch dieser Elektroroller musste daran glauben.(Bild: AFP/JOHN THYS)

Ärger über Sparmaßnahmen und Reformen
Hintergrund sind vor allem Sparmaßnahmen im Bildungsbereich. Kritisiert wird unter anderem ein Reformpaket, das Lehrern an höheren Schulen künftig zwei zusätzliche Unterrichtsstunden abverlangt. Auch Änderungen bei Krankenständen und Frühpensionierungen sowie Einsparungen bei Unterstützungsleistungen sorgen für Unmut. Betroffen fühlen sich dabei nicht nur Lehrer, sondern auch die Schüler selbst. Sie befürchten größere Klassen, weniger Personal und schlechtere Bedingungen in den Schulen. Zusätzlich sorgt die finanzielle Belastung für Studenten und junge Menschen für Protest: So wurde das jährliche Einschreibeentgelt an Hochschulen für viele Studenten deutlich erhöht.

Lehrer demonstrieren in der französischsprachigen Gemeinschaft bereits seit Monaten gegen die Sparpläne. Die jüngsten Schülerproteste wurden zusätzlich durch die Demonstrationen in Frankreich befeuert, wo Jugendliche gegen überfüllte Klassen, Lehrermangel und schlechte Schulgebäude auf die Straße gehen. Der belgische Aufstand ist deshalb mehr als nur ein Übergreifen der französischen Bewegung: Frankreich mag den Funken geliefert haben – der Ärger über das eigene Bildungssystem schwelt in Belgien aber schon seit geraumer Zeit.

Frankreich: Bereits Schäden in Millionenhöhe
Die französischen Proteste waren in den vergangenen Tagen von teils drastischen Gewaltszenen geprägt: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Es gab viele Verletzte. Die Ausschreitungen verursachten erhebliche Sachschäden, deren Kosten auf Millionenhöhe geschätzt werden.

Straßenblockade durch einen Rollstuhlfahrer in Nancy
Straßenblockade durch einen Rollstuhlfahrer in Nancy(Bild: AFP/JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)
Brennende Mülltonnen vor einer Bildungsanstalg in Nancy
Brennende Mülltonnen vor einer Bildungsanstalg in Nancy(Bild: AFP/JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)
Tausende Demonstranten wurden bisher in Frankreich verhaftet.
Tausende Demonstranten wurden bisher in Frankreich verhaftet.(Bild: AFP/JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)
Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden bereits Dutzende Menschen verletzt.
Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden bereits Dutzende Menschen verletzt.(Bild: AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT)

Nach Angaben von Bildungsminister Édouard Geffray wurden 65 Beschäftigte des Bildungswesens verletzt, darunter 40 Schulleiter, sowie 170 Schülerinnen und Schüler. Innenminister Laurent Nuñez zufolge wurden bisher mehr als 5000 Menschen festgenommen, 85 Prozent von ihnen sind minderjährig. 

In der Politik werden Forderungen laut, auch Eltern stärker zur Verantwortung zu ziehen. Justizminister Gérald Darmanin forderte Staatsanwälte auf, die zivilrechtliche Haftung der Eltern für Schäden ihrer minderjährigen Kinder geltend zu machen.

Was die französischen Schüler fordern
Schülervertreter verurteilten die Gewalt, riefen aber zur Fortsetzung der Proteste und für Dienstag zu einer neuen Demonstration auf. Begonnen hatten die Unruhen im September an einer Schule in einer Pariser Vorstadt, in der Personal fehlte. Die Schüler fordern mehr Lehrer, kürzere Schultage, weniger Schüler in den Klassen sowie Klimaanlagen und Heizungen. Die Wut ist besonders groß in sozial benachteiligten Orten, weil die Schulen dort besonders schlecht ausgestattet sind.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung