Proteste in Frankreich

Minister wendet sich mit Appell an Eltern

Außenpolitik
02.10.2026 22:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die anhaltenden und von massiver Gewalt begleiteten Schülerproteste setzen die französische Regierung zunehmend in Sorge. Bildungsminister Édouard Geffray appellierte am Freitag an die Eltern, ihre Kinder von den Blockaden abzuhalten. Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich unterdessen von der Gewalt.

Nach Angaben des Ministers waren am Freitag insgesamt 735 Schulen von den Protestaktionen betroffen, 30 Prozent weniger als am Vortag. Im Umfeld von 158 Einrichtungen sei es zu Ausschreitungen gekommen. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, die Sicherheitskräfte griffen bei Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Gewalttaten systematisch ein. Das Ausmaß der Proteste bezeichnete er als erheblich und überraschend und führte es unter anderem auf soziale Netzwerke und den Einfluss der linken Partei La France Insoumise (LFI) zurück.

In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulen. Im Großraum der Hauptstadt kam es an insgesamt 55 Schulen zu gewaltsamen Ausschreitungen. In Lyon wurden an zehn Schulen unter anderem Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt. Insgesamt waren wegen der Eskalation Hunderte Schulen geschlossen geblieben.

Brutale Angriffe auf Sicherheitskräfte
In mindestens zwei Fällen wurden Sicherheitskräfte direkt und brutal angegriffen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall einer Polizeischülerin, die in Paris von mehreren Angreifern brutal zu Boden gestoßen worden war. In Belfort prügelten mehrere Jugendliche auf einen am Boden liegenden Polizisten ein und traten ihm gegen den Kopf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, ein 17-Jähriger wurde festgenommen. Videos beider Vorfälle verbreiteten sich in Onlinediensten.

Bei den Protesten sind seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden, sagte Innenminister Laurent Nuñez am Freitag im französischen Fernsehsender TF1. Am Freitag seien 1747 Menschen festgenommen worden, am Donnerstag 1954. Rund 85 Prozent der Festgenommenen seien minderjährig, die meisten von ihnen Schülerinnen und Schüler, erklärte der Innenminister. Allerdings bedeute dies nicht zwangsläufig, dass die Jugendlichen auch die Schulen besuchten, in deren Nähe sie festgenommen worden seien.

Vor dem Pariser Gymnasium Turgot blockierten Freitagfrüh erneut zahlreiche Schüler den Eingang und forderten vorbeifahrende Autofahrer zum Hupen auf. „Wir wollen bessere Bedingungen, es fallen ständig Lehrer aus und werden nicht ersetzt“, sagte die 15-jährige Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. „Während der Hitzewelle hatten wir 37 Grad und saßen tagelang im Dunklen – und im Winter frieren wir“, beklagte sie.

Diese Jugendlichen zeigen, was sie von der französischen Bildungspolitik halten.
Diese Jugendlichen zeigen, was sie von der französischen Bildungspolitik halten.(Bild: AFP/ED JONES)

Schülervetreter: „Szenen, die absolut widerlich sind“
Der gleichaltrige Simon erzählte, dass er „ein Jahr lang keinen Bio-Unterricht“ gehabt habe. Außerdem seien die Schultage zu lang und anstrengend. „Wir haben oft von 8.00 bis 18.00 Uhr Schule und müssen dann noch zwei Hausaufgaben machen“, sagte er. „Es gibt allgemein eine große Nervosität und Übermüdung.“

Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich unterdessen von der Gewalt. „Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind“, sagte Nathanaël Combray von der Organisation „Renouveau Lycéen“ nach einem Gespräch mit Geffray. Combray rief die Gymnasiasten dazu auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Sie sollten sich keiner Bewegung anschließen, die der eigenen Sache schade, sagte Combray mit Blick auf Unruhestifter. Louis Letoublon von der Organisation „Les Lycéens“ sagte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten, sondern von externen Personen begangen.

Justizminister sieht „gewaltbereite Minderheit“
Justizminister Gérald Darmanin kündigte unterdessen an, die Eltern von Minderjährigen für die verursachten Sachbeschädigungen heranzuziehen. „Wenn Schulen und Bushaltestellen beschädigt und öffentlicher Nahverkehr zum Ziel werden, dann müssen wir künftig die Eltern in die Verantwortung nehmen“, sagte er. Der Justizminister sprach von einer „aktiven und gewaltbereiten Minderheit“, zu der vermutlich auch Nicht-Schüler zählten. Mehrere Gewerkschaften riefen für Dienstag zu Solidaritätsaktionen mit den Schülerprotesten auf.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung