Uni-Chef unter Druck!

Nach Gruppenvergewaltigung nur Aufsätze als Strafe

Ausland
04.10.2026 12:37
Porträt von krone.at
Von krone.at

Schwere Vorwürfe erschüttern die US-Elite-Uni Cornell: Eine ehemalige Studentin wirft sieben Mitgliedern einer Studentenverbindung vor, sie im Oktober 2024 unter dem Einfluss von Alkohol und mutmaßlich verabreichten Drogen sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Jetzt spricht der Uni-Präsident über Versäumnisse und verlorenes Vertrauen. Zwei der Studenten sollen lediglich dazu verdonnert worden sein, Aufsätze über ihr Fehlverhalten zu schreiben.

Nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Elite-Universität Cornell zeigt ihr Präsident nach tagelanger massiver Kritik nun endlich Mitgefühl mit der betroffenen Studentin und rechnet mit negativen Auswirkungen für seine Hochschule. „Was Jane Doe im Jahr 2024 widerfahren ist, ist zutiefst beunruhigend und wird unsere Gemeinschaft noch viele Jahre belasten“, sagte Michael I. Kotlikoff in einem Video. Man wolle sich bemühen, mehr zu erklären, die ergriffenen Maßnahmen zu erläutern und transparenter zu sein.

Bei Jane Doe handelt es sich um das Pseudonym einer ehemaligen Studentin, die sieben Männern vorwirft, sie 2024 in einem Verbindungshaus auf dem Uni-Gelände sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben.

Studierende überqueren den Campus der Cornell University in Ithaca (New York): Nach den ...
Studierende überqueren den Campus der Cornell University in Ithaca (New York): Nach den erschütternden Vorwürfen einer Studentin kämpft die Universität mit einem massiven Vertrauensverlust.(Bild: AFP/MATT BURKHARTT)

Erschütternde Snaps während des mutmaßlichen Missbrauchs
Der Frau zufolge wurde sie mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht. Ihre Aussagen kurz nach dem Vorfall führten nicht zu einem Verfahren. Nur zwei der jungen Männer wurden exmatrikuliert, die anderen mussten Aufsätze schreiben.

Das Verbindungshaus der Studentenverbindung Chi Phi auf dem Campus der Cornell University in ...
Das Verbindungshaus der Studentenverbindung Chi Phi auf dem Campus der Cornell University in Ithaca (New York): Laut den Vorwürfen soll eine junge Frau dort unter Drogen gesetzt worden sein. In Chats sollen weitere Mitglieder dazu aufgefordert worden sein, sie zu missbrauchen.(Bild: AFP/MATT BURKHARTT)

Laut Gerichtsakten, aus denen US-Medien zitieren, hatte ein Mitglied der Studenten-Verbindung via Snapchat seinen Brüdern die Information zukommen lassen, im sogenannten „Alumni Room“ im oberen Stockwerk befinde sich eine wehrlose Frau. In der Nachricht wurde behauptet, sie stehe für sexuelle Handlungen zur Verfügung. Dabei fiel wörtlich die vulgäre Bezeichnung „free p***“, also „kostenlose ...“.

Einer fragte nach einer Weile nach, ob „der Laden noch geöffnet sei“. Darauf antwortete ein anderer Verbindungsbruder mit „Yeah“ und einem Teufels-Emoji. Sieben Stunden lang soll die Gruppenvergewaltigung gedauert haben. 

Nach einer neuen Zivilklage wird der Fall nun erneut untersucht. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ließ die Ermittlungen unter Sonderaufsicht stellen.

Studierende vor der Willard Straight Hall auf dem Campus der Cornell University in Ithaca (New ...
Studierende vor der Willard Straight Hall auf dem Campus der Cornell University in Ithaca (New York). Nach Vorwürfen einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung durch mehrere Mitglieder der Studentenverbindung Chi Phi steht die Elite-Uni im Zentrum einer landesweiten Debatte über sexuelle Gewalt und den Umgang der Hochschulen mit solchen Fällen(Bild: AFP/MATT BURKHARTT)

Vorfall werfe „herzzerreißende und beunruhigende Fragen“ auf
„Mir schmerzt das Herz, wenn ich daran denke, was sie durchgemacht hat“, sagt der Universitäts-Präsident Kotlikoff jetzt. Der Vorfall werfe „herzzerreißende und beunruhigende Fragen zu sexueller Gewalt, Entmenschlichung und Aspekten der Partykultur, des Alkohol- und Drogenkonsums“ auf.

Kotlikoff räumte in seinem Video ein, dass er von „Frustration“ gehört habe, dass seine Hochschule „nicht ausreichend darüber kommuniziert hat, was die Universität nach der Meldung des Übergriffs unternommen hat“. Dies habe zu Misstrauen geführt. Kotlikoff betonte, dass es „rechtliche und datenschutzrechtliche Grenzen“ gebe.

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