Vor 40 Jahren wurde er Bundeskanzler, diesen Sonntag feiert Franz Vranitzky seinen 89. Geburtstag: Mit der „Krone“ spricht der Grand Seigneur der SPÖ über die Führungsdebatte in seiner Partei, „Brandmauern“ gegen den Aufstieg der Rechten und seine Gedanken zu dieser „vollkommen anderen Welt“.
Das „Kreisky-Forum für Internationalen Dialog“ in der Wiener Armbrustergasse 15, die Grundmauern der Villa gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Hier hat der „Sonnenkönig“ einst zur Miete gewohnt und das Telefon noch höchstpersönlich abgehoben, wenn wir Journalisten am Festnetz angerufen haben. „Der schönste Augenblick in diesem Haus war, als wir es 1991, ein Jahr nach dem Tod Kreiskys, eröffnet haben“, sagt Franz Vranitzky, der Gründer und Ehrenpräsident des Forums ist. „So viele haben Kreisky geschätzt und gern gehabt und auf diese Weise ist er nicht verschwunden.“ Kreisky-Porträts, Kreisky-Möbel, Kreisky-Bücher. Österreichs ältester noch lebender Bundeskanzler (1986 – 1997) nimmt im Terrassenzimmer auf einem der Ledersessel am langen Glastisch Platz, draußen im Garten wiegt sich eine Libanon-Zeder aus der Zeit des Wiener Kongresses im Wind. Er ist mit dem Bus gekommen und zweimal umgestiegen. Gekleidet ist er nicht wie ein durchschnittlicher 38 A-Passagier, sondern wie ein Sir: Dunkler Anzug, rosa-weiß gestreiftes Hemd, hellblaue Krawatte. Während des Interviews läutet fünf Mal sein Handy. Vranitzky hebt jedes Mal ab und bittet, es am Nachmittag noch einmal zu probieren. „Ich bin gerade in einem intensiven Gespräch.“
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