„Krone“-Serien-Kritik

„Jenseits von Eden“: Ein Epos wird zur Serie

Streaming
03.10.2026 19:30

John Steinbecks Jahrhundertroman, der 1955 bereits mit James Dean auf der großen Leinwand Riesenerfolge feierte, ist nun ein achtteiliges Prestigeprojekt von Netflix, in dem Florence Pugh den Ton angibt.

Die blutüberströmte, halb zu Tode geprügelte Cathy (Florence Pugh) schleppt sich mit letzter Kraft zum einzigen Haus weit und breit. Zwei Brüder öffnen die Türe. Während der eine, Adam Trask (Christopher Abbott), ihr zur Hilfe eilt, ahnt der andere, Charles Trask (Mike Faist), bereits das Unglück und sagt nur kurz und knapp: „Das ist ein Fehler!“

Adam (Abbott, M.) mit seinem Bruder Charles (Faist) und seiner Frau Cathys (Pugh).
Adam (Abbott, M.) mit seinem Bruder Charles (Faist) und seiner Frau Cathys (Pugh).(Bild: Netflix)

In einer Rückblende sehen wir Adam und Charles unter der strengen Hand ihres Veteranen-Vaters Cyrus (Tracy Letts) aufwachsen, der Adam bevorzugt und ihn, obwohl er der schwächere ist, in die Armee einschreibt, während Bruder Charles die Farm in Schuss halten muss. Ein Konflikt, der sie entzweit und den sie erst nach Jahren der Einsamkeit lösen, um wieder zueinanderzufinden. Cathy indes wächst wohlbehütet auf, merkt aber schnell, dass sie durch Manipulation (fast) jeden um den Finger wickeln kann. Als ihr Vater sie durchschaut, hinterlässt sie eine Spur der Verwüstung und wird schließlich Prostituierte – bis sie bei den Trask-Brüdern landet. Dort beginnt das Böse in ihr sich erst richtig zu entfalten.

Biblischer Kampf zwischen Gut und Böse

Wie auch die Romanvorlage überträgt die Serie das alttestamentliche Drama Kain und Abels um Geschwisterrivalität, Schuld, Vergebung und die ewige Wahl zwischen Gut und Böse auf mehrere Generationen einer Familie im Wilden Westen. Pugh läuft als das personifizierte Böse zur schauspielerischen Höchstform auf, lässt aber auch ihren männlichen Co-Stars Platz zum Glänzen. Die wiederum gehen in ihren nuancierten Darbietungen der zentralen Frage nach, ob man gut oder böse geboren wird oder man es sich aussuchen kann. Die Antwort dauert knapp sieben Stunden und ist wirklich sehenswert.

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