Am Mittwoch erlag Andrea Kdolsky ihrem Krebsleiden. Die „Krone“ traf Philipp Ita. Der Verleger und Ehefrau Claudia waren für die Alt-Ministerin Familie: Welches Erbe sie hinterlässt, wie es weitergeht und welche Würdigung für sie im Burgenland angedacht wurde.
Manchmal treffen Menschen zusammen, die nicht für immer dafür bestimmt sind, um in einer Partnerschaft gemeinsam zu leben. Trotzdem besteht nach der Trennung eine innige Beziehung, ein nicht trennbares Band zwischen ihnen, das meist weit über den Tod hinaus hält. Auch die am Mittwoch verstorbene, ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hatte so einen Lebensmenschen, samt seiner ganzen Familie: Verleger und Manager Philipp Ita, dessen Ehefrau Claudia und den zwei Buben.
Hund „Ambra“ als Bindeglied
Zwei Tage nach dem Tod ihrer gemeinsamen Freundin bat die „Krone“ sie, die sich nun um den Abschied kümmern, zum Gespräch, um mehr über den Menschen Andrea Kdolsky zu erfahren. „Sie war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Mit einer lauten und starken Stimme, mit wahnsinnig viel Energie, aber vor allem mit einem ganz großen Herz für andere“, erzählt das Paar beim emotionalen Treff im Wiener Kaffeehaus Weimar.
Von 2007 bis 2015 war Philipp Ita mit Kdolsky liiert. Man trennte sich damals in Frieden, hatte aber nach wie vor eine Verbindung – dank ihrer Hündin „Ambra“. „Andrea hat sie geliebt und der Hund war wahnsinnig gerne bei ihr“, erzählt er über seine ebenso nicht mehr lebende Hündin, „Aber jetzt sind sie wieder zusammen. Die laufen bestimmt schon wieder um irgendeinen See gemeinsam herum. . .“
Weihnachten und Geburtstage zusammen
Man blieb also in Kontakt, „Und auch unsere Beziehung hat sich danach irgendwie entwickelt“, führt Claudia Ita aus, „Bedingt durch den Umstand, dass ich nicht der Trennungsgrund war und einige Zeit vergangen war, haben wir da einen Draht zueinander gefunden, der letztlich zu einer Freundschaft wurde. Weil sie war lustig und wir beide hatten einfach denselben Schmäh.“ „Sie war definitiv ein Familienmitglied! Sie war oft bei uns, immer wieder zu Weihnachten. Auch heuer im August zu meinem Geburtstag, da war es ihr wichtig, dass sie mir eine Torte und den Buben Geschenke gibt“, fügt ihr Mann hinzu.
Politikerin mit Visionen
Immer wieder betonen die Itas bei uns im Gespräch, dass sie nicht der Mittelpunkt dieser Geschichte sein wollen, das sei ihre Andrea, die ihren engen Freunden und ihnen fehlt. Aber, deren Erbe sie weitertragen wollen – und werden. „Sie war, wenn man sich alte Interviews von ihr durchliest, ihrer Zeit voraus. Zum Beispiel, als sie als Ministerin eine zentrale Steuerung des Gesundheitswesens forderte – wofür sie ja verspottet wurde. Sie hat sich schon immer eingemischt, hat dabei nie an Parteipolitik gedacht, sondern immer an die Sache und die Menschen. Manchmal sind auch wir zusammengekracht“, deswegen lassen die Itas die Vergangenheit Revue passieren. Nur aber, um in die Zukunft und auf das zu blicken, was Kdolsky noch gerne gemacht hätte: „Die Ankündigung von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, dem Krebszentrum ,Maggie’s Centre‘ in Oberwart ihren Namen zu geben, hätte Andrea wahnsinnig gefreut. Denn sie hat nicht nur dort ihre letzten Stunden verbracht, sondern sich auch sehr dafür eingesetzt. Im Privaten wäre sie so gerne am ersten Schultag unseres Sohnes Max dabei gewesen. . .“
Sie war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Mit einer lauten und starken Stimme, mit wahnsinnig viel Energie, aber vor allem mit einem ganz großen Herz für andere.
Philipp Ita
Kein Gejammere, trotz Leidens
Kdolsky, die vor drei Jahren erstmals die Diagnose Darmkrebs erhielt, den besiegte und danach wieder gegen die teuflische Erkrankung ankämpfen musste, tat aber eines nie, wie Philipp Ita erklärt: „Sie hat nie mit der Situation gehadert. Sie hat nie, kein einziges Mal gejammert, egal wie schlecht es ihr gegangen ist – immer war es ihr wichtig, wie es den Menschen im ihrem Umfeld geht.“ Seine Frau Claudia bekräftigt das: „Und Philipp war eine wichtige Person für sie. Sie konnte sich auf ihn immer verlassen. Er hat für sie viele Probleme aus dem Weg geräumt“.

Sie spricht ebenso davon, dass ihre gemeinsame Freundin stets „ihre Frau stand“. Sie wollte nie jemandem zur Last fallen, schon gar nicht, als sie die Krankheit am Schluss nicht mehr aus ihren Fängen ließ: „Zuletzt hat sie gesagt, dass es ihr leidtut, woraufhin ich zu ihr gesagt habe, dass wir für sie da sind. Du bist Familie! Wir sind für dich da, so wie du immer für alle auch da bist!“
Projekt und öffentliches Requiem
„Sie hat 95 Prozent ihres Lebens auf der Überholspur gelebt, nur fünf Prozent lang war sie krank und deshalb denken wir jetzt über ein Projekt nach, denn wir wollen ihre Geschichte weiter erzählen und sorgen dafür, dass ihre Stimmt nicht verstummt“, machen die Itas klar. Jetzt ist es vorrangig, sich um Organisatorisches und den Abschied zu kümmern, so Philipp Ita: „Die Bestattung wird im engsten Kreis stattfinden. Ich bin mit ihren Freundinnen in Kontakt. Aber wir werden auch ein Requiem für Andrea im angemessenen Rahmen machen. Und zwar wo jeder, der sich verabschieden will, auch Abschied nehmen kann.“
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