Kritik an Bundes-ÖGK

Landesrat: „Es gibt zu wenig Kassenarzt-Stellen!“

Steiermark
02.10.2026 13:49

Mit deutlicher Kritik an der Bundes-ÖGK lässt der steirische Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) aufhorchen: Es brauche mehr Kassenstellen, überhaupt erwarte er sich mehr Elan von der Kasse. In der Steiermark gibt es hingegen eine Lösung für die Community Nurses, drei neue Primärversorgungszentren – aber auch einige offene Baustellen.

„Besonnen“ ist ein Begriff, den Karlheinz Kornhäusl gerne verwendet. Als „besonnen“ gilt auch sein Wesen. Doch wenn es um die Bundes-ÖGK geht, „werde ich langsam ungeduldig“, so der steirische Gesundheitslandesrat bei einem Pressegespräch am Freitag. Während es bei seiner Amtsübernahme vor drei Jahren vor allem Baustellen im Spitalsbereich gab, sei es dort gelungen, den Druck herauszunehmen und Personalnot zu lindern. „Jetzt betreffen 90 Prozent der Mails, die ich erhalte, den niedergelassenen Bereich.“

Dort gebe es schlicht „zu wenig Kassenstellen“, sagt Kornhäusl klar. Und auch die vorhandenen Stellen seien zu gering besetzt: aktuell 26 von 607 Stellen für Allgemeinmediziner und 14 von 390 Facharzt-Stellen. Der ÖVP-Landesrat vermisst Elan und Innovation bei der Bundes-ÖGK.

Die „Kindergesundheit Deutschlandsberg“ im lokalen LKH wurde im Jänner eröffnet.
Die „Kindergesundheit Deutschlandsberg“ im lokalen LKH wurde im Jänner eröffnet.(Bild: Christian Jauschowetz)

Als es etwa im gesamten Bezirk Deutschlandsberg keinen Kinder-Kassenarzt mehr gab, sprang das Land mit einer Ordination im lokalen Spital ein. Und als die Steiermark anbot, Pilotregion für die angekündigten Facharztzentren zu werden, wurde das in Wien abgelehnt – „gehört habe ich seitdem aber nichts mehr von der Sache“, so der Landesrat. Er hat das Angebot daher in der Vorwoche schriftlich bei Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) erneuert.

Drei neue Primärversorgungszentren
Die Landes-ÖGK nimmt Kornhäusl von der Kritik übrigens explizit aus: „Mit ihr gibt es eine kollegiale, gut abgestimmte Zusammenarbeit.“ Das zeigt sich etwa beim Ausbau der Primärversorgungszentren. Bis Jahresende gibt es 30 davon in der Steiermark. Am Samstag erfolgt die Eröffnung in Laßnitzhöhe, auch Lieboch und Fürstenfeld kommen aktuell neu dazu.

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Es gibt für die Community Nurses eine Perspektive und einen Plan für die nächsten Jahre.

Karlheinz Kornhäusl

Endlich Lösung für die Community Nurses
Eine große Änderung steht mit nächstem Jahr bei den Community Nurses bevor. Das ist diplomiertes Pflegepersonal, das derzeit in neun Gemeinden für Pflege-Anliegen zur Verfügung steht. Das 2022 begonnene Projekt wurde zunächst drei Jahre lang von der EU finanziert. Einige Bundesländer hörten dann damit auf, in der Steiermark sprangen Land und die betroffenen Gemeinden ein. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Community Nursing einen Mehrwert hat“, sagt Kornhäusl gerade mit Blick auf die immer älter werdende Bevölkerung.

Daher wird es nun Teil der Regelversorgung – vorerst in drei Bezirken: Graz-Umgebung, Leibnitz und Murtal. Je eine Vollzeitkraft wird bei den bestehenden Pflegedrehscheiben angestellt, alle Gemeinden versorgen und den Schwerpunkt auf Prävention legen. Die Finanzierung übernimmt das Land. Und in den restlichen Bezirken? Dort soll das Angebot, nach einer zweijährigen Pilotphase, sukzessive ausgerollt werden. Bis dahin können die Gemeinden weiterhin Community Nurses anstellen, müssen diese aber selbst bezahlten. 

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Wir werden nicht einfach so hinnehmen, dass Graz und die Grazer Bevölkerung wieder einmal benachteiligt und finanziell belastet werden.

Robert Krotzer

Kritik von Grazer KPÖ-Stadtrat
Prompte Kritik kommt vom Grazer KPÖ-Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer: „Die von ÖVP-Landesrat Kornhäusl heute – nach vielen Monaten des Wartens – verkündete Neuregelung ist leider keine gute Lösung, sondern bedeutet das Aus für die niederschwelligen Angebote auf Gemeindeebene.“ In Graz sind die Community Nurses in die Gesundheitsdrehscheibe in der Annenstraße eingebunden. Krotzer sieht Graz „wieder einmal“ benachteiligt und will sich um eine Fortsetzung bemühen. 

Portalambulanz auch in diesem Winter
Fix ist: Ab Anfang November gibt es wieder die Portalambulanz bei der Grazer Kinderklinik. Freitags, samstags und sonntags nehmen Kinderärzte dort einen ersten Check vor, nur die wirklichen Notfälle kommen dann in die Klinik selbst. Kornhäusl: „Das hat sich sehr bewährt.“

Einige offene Baustellen
Doch es wäre nicht der Gesundheitsbereich, würde es nicht weiterhin zahlreiche lokale Baustellen geben. So wird im Hintergrund an Lösungen für das Gesundheitszentrum Mariazell, das nach einer hohen Zahlungsaufforderung von ÖGK und Finanzamt die Öffnungszeiten einschränken muss, und für das Reha-Zentrum Aflenz gerungen: Bei Letzterem sucht ja die PVA einen neuen Betreiber, weil man selbst den Standort St. Radegund ausbauen will.

Weiterhin lange ist die Warteliste bei Grauer-Star-Operationen. Hier will das Land im Herbst Maßnahmen vorstellen. Der neue Kages-Chef Erich Schaflinger wird übrigens nächste Woche seine Pläne öffentlich skizzieren. 

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