Tabletten im Becher

Mordverdächtiger Polizist vergiftet? Freispruch

Steiermark
02.10.2026 14:06

Der Cobra-Beamte Manuel M. soll Anfang 2026 eine junge Frau in der Steiermark ermordet haben. Am Freitag erschien der Steirer aber als Opfer vor dem Bezirksgericht Graz-Ost. Ein Zellengenosse soll ihn vergiftet haben. Der Beschuldigte wurde freigesprochen.

Nachdem der Cobra-Beamte Manuel M. (31) Anfang dieses Jahres wegen Mordverdachts verhaftet wurde – ihm wird vorgeworfen, die Fitnesstrainerin Johanna G. im Jänner mit dem Gürtel seiner Dienstuniform erdrosselt und die Leiche anschließend im Wald verscharrt zu haben –, wurde er in die Justizanstalt Graz-Jakomini eingeliefert. Dort sitzt er nach wie vor in U-Haft. Im Februar wurde der Ex-Polizist jedoch Opfer eines Anschlags. Einer seiner ehemaligen Zellengenossen – er wurde wegen schweren Kindesmissbrauchs verurteilt – soll versucht haben, ihn mit Tabletten zu vergiften.

Zugetragen hatte sich die Tat in einer Zelle der Krankenstation der Justizanstalt Jakomini, die sich der Angeklagte und das Opfer noch mit einem weiteren Mithäftling teilten. Insgesamt neun Tabletten verschiedener Medikamente musste der Angeklagte zu dieser Zeit täglich einnehmen, darunter Psychopharmaka. Um einer Abhängigkeit selbstständig vorzubeugen, beschloss er jedoch auf eigene Faust, die „Mittagsdosis“ abzusetzen, und hortete die Tabletten in einem Röhrchen in seinem Kasten.

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Ich fühlte mich wie betrunken, nur ohne die euphorisierende Wirkung, also wie in einem Delirium.

Manuel M.

Zwei Becher mit Medikamentenrückständen
Genau diese Medikamente landeten schließlich pulverisiert im Wasserbecher von Manuel M., der sie mit dem übrigen Wasser im Becher vor dem Schlafengehen zu sich nahm. Daraufhin litt er unter Bauchkrämpfen und Schwindel und fühlte sich „wie betrunken, nur ohne die euphorisierende Wirkung, also wie in einem Delirium“. Am nächsten Morgen stellte er pulvrige Rückstände in seinem Becher fest, woraufhin er diesen in seinem Kasten verwahrte und gegen einen neuen tauschte. Bevor er sich vor dem Schlafengehen ins Bad begab, überprüfte er den neuen Becher und merkte sich genau, wo dieser stand. So fiel ihm nur wenig später auf, dass der Becher verrückt und dem Wasser erneut ein Pulver untergemischt worden war. Er übergab beide Becher den Justizwachbeamten und beschuldigte seinen Zellengenossen. Eine toxikologische Analyse bestätigte die Medikamentenrückstände in den Bechern.

Am Freitag wurde dem Zellengenossen am Bezirksgericht Graz-Ost der Prozess wegen Körperverletzung gemacht. Dieser versteht die Vorwürfe gegen ihn nicht: „Ich hatte keine Diskrepanzen mit Manuel M. Außerdem waren meine Tabletten so gelagert, dass jeder Zugang hatte, und die anderen beiden (Anm. Zellengenossen) wussten auch darüber Bescheid.“ 

Der Ex-Polizist ist sich bei seiner Einvernahme aber sicher: „Er ist ein Polizeihasser, darum hat er mir was in meinen Becher gegeben.“ Sein Auftritt im Bezirksgericht ist ruhig. In der Opferrolle fühlt er sich wohl, betont immer wieder, dass ihm der Mithäftling etwas antun wollte. Währenddessen wird er von einer Schar Justizwachebeamten strengstens bewacht ...

Freispruch für Angeklagten
Auch der dritte Zellengenosse wurde von Richterin Gundula Neudeck befragt: „Ich habe nichts gesehen oder beobachtet. Ich schätze ihn (Anm. den Angeklagten) auch nicht so ein, dass er so etwas macht.“ Beide Zellengenossen wussten über die Medikamentensammlung des Angeklagten Bescheid, die Tat will aber niemand vollzogen haben.

„Vielleicht hat Manuel M. die Tabletten selbst in seinen Becher gegeben, um so eine Verlegung in eine andere Zelle zu erreichen“, gibt Christopher Ruhri, Anwalt des Angeklagten, zu bedenken. Für Richterin Neudeck sind die Beweise ungenügend, sie entscheidet auf Freispruch: „Für mich ist das ein klarer Freispruch im Zweifel.“

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