Elisabeth von Samsonow

Baummädchen und Zentauren in der Horten Collection

Kultur
22.09.2026 18:00

Die Heidi Horten Collection zeigt die Retrospektive zum Werk der Bildhauerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow. 

Wie die Priesterin eines Geheimkults ihres „Göttinnenlandes“ begrüßt sie in einer Kammer von einem Foto in Lebensgröße den Besucher: die Arme über der Brust gekreuzt, in einem bunten Vogelkostüm, mit einem Flügel-Cape.

Zum Verwechseln ähnelt sie ihren monumentalen Holzskulpturen, die nun bis Februar in der Heidi Horten Collection zwei Stockwerke füllen: Elisabeth von Samsonow, bayerisch-österreichische Bildhauerin, Malerin, Grafikerin und vor allem Philosophin, die in München und ab 1990 an der Uni und Akademie der bildenden Künste in Wien lehrte, erregte mit Büchern wie „Anti-Elektra: Totemismus und Schizophrenie“ (2019) und Schriften über das Matriarchat international Aufsehen.

Diese Bücher öffnen Zugänge zu ihrem Werk, das für die große Retrospektive von Hanna Haas & Rolf H. Johannsen kuratiert wurde.

Kultfiguren im „Göttinnenland“
Samsonow erzählt, was sie zu ihren Stelen inspirierte: „Zum Schnitzen kam ich 1990, nachdem ich in Altötting eine umgestürzte tausendjährige Linde gekauft hatte, die keiner wollte. Aus dem Holz entstanden meine ersten 200 Figuren.“ Aus Baumstämmen formt sie seither mit Hämmern und Stemmeisen, Meißeln und Messern ihre surreal anmutenden Riesenfiguren.

Totems, die sie mit Saiten bespannt, um sie zum Klingen zu bringen. Kultfiguren ihres „Göttinnenlandes“, das sie mit Erwin Wurm, Manfred Wakolbinger u. a. 2020 auf vier Hektar im Pulkautal (NÖ) gegründet hat.

Natur und feministische Ideen bestimmen ihr Werk. Leitfiguren sind das Pferd, das auch als antiker Zentaur zum Schutzgeist wird, das Mädchen, das auf das Idol der Venus von Immendorf verweist, und der Baum als Symbol für eine „Stoffwechselbatterie“, die für den Menschen lebenswichtig ist.

Besonders spannend ist ihre Auseinandersetzung mit Bildern Schieles, Bacons und Jawlenskys, denen sie ihr Werk gegenüberstellt. Und wie sie Feminismus, Naturphilosophie, Ökologie, Mythologie zu ihrem Weltbild zusammenführt.

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