Lukas Arnold (28) erforscht, was sich in der Stadt unter unseren Füßen befindet – von Bunker über Luftschutzkeller. Bei Führungen macht er Geschichte erlebbar.
„Krone“: Herr Arnold, woher kommt Ihre Faszination für die Wiener Unterwelt?
Lukas Arnold: Ich bin bereits als zehnjähriger Schüler sehr gerne ins Museum gegangen. Anstatt Computerspiele zu spielen, habe ich Orte aufgesucht, an denen Geschichte erlebbar wurde. Ich wollte wissen, was hinter historischen Ereignissen steckt, welche Geschichten Menschen hinterlassen haben und welche Spuren noch heute davon sichtbar sind. 2017 nahm ich an einer Führung durch die Berliner Unterwelten teil. Das war ein Schlüsselerlebnis.
Wie kam es zu Ihren Führungen?
Ich begann, die verborgenen Räume Wiens systematisch zu erforschen und fotografisch zu dokumentieren. Kelleranlagen, Bunker, historische Gewölbe, vergessene Räume und Relikte aus unterschiedlichen Epochen wurden zu seinem Forschungsgebiet. Mittlerweile sind es 200 unterirdische Bauwerke. Schließlich gründete ich meinen Verein Unter Wien.
Was ist Ihre Motivation?
Wir leben in der längsten Friedensperiode, die es jemals in Österreich gab. Wer verstehen will, welchen Wert Frieden und Stabilität haben, muss sich auch mit jener Zeit auseinandersetzen, in der genau diese Dinge nicht selbstverständlich waren. Bunker und Luftschutzanlagen erzählen dabei ebenso viel, wie alte Keller und natürlich die letzten verbliebenen Zeitzeugen.
Wie viele Zeitzeugen haben Sie bis dato interviewt?
Für mein Zeitzeugenprojekt fahre ich durch ganz Österreich. Mit rund 50 Personen, die meisten zwischen 90 und 100 Jahre alt, habe ich gesprochen. Ich möchte ihre Geschichten festhalten – gegen das Vergessen.
Was ist das Ziel Ihres Vereins?
Die Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Wiener Unterwelt und ihrer historischen Bedeutung. Denn Wien besteht nicht nur aus dem, was man auf den ersten Blick sieht. Mein Museum liegt quasi unter unseren Füßen. Mit meinen Führungen und Vorträgen bringe ich die Geschichte der Orte zu den Menschen – und zwar dort, wo sie stattgefunden hat.
Sind Sie stets auf der Suche nach spektakulären Orten?
Nein, ich möchte festhalten, was noch vorhanden ist, bevor es verschwindet. Denn historische Räume werden saniert, zugeschüttet oder abgerissen.
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