Nach der Geburt ihrer Tochter beginnt für die Wienerin Judith N. ein Kampf ums Überleben. Erst rettet eine Notoperation sie, dann bleibt ihr Herz zweimal stehen. Die Ursache liegt in einem angeborenen Syndrom.
Eigentlich sollte Judith N. die ersten Tage mit ihrer Tochter genießen. Stattdessen bekommt sie starke Schmerzen im Unterleib. Ein Riss im Eileiter hat innere Blutungen ausgelöst. Eine Notoperation in der Klinik Donaustadt rettet ihr Leben. Doch die große Bauchnarbe macht selbst das Aufstehen schwer. „Ich war in einem emotionalen Ausnahmezustand, weil ich fast gestorben wäre“, erzählt sie. Weil sie ihr Baby nicht selbst versorgen kann, nimmt die Klinik ihre Mutter als Begleitperson auf. Sie kümmert sich im Beisein ihrer Tochter um das Neugeborene.
Zwei Herzstillstände direkt vor der Entlassung
Zehn Tage später soll Judith nach Hause. In der Nacht davor der nächste Kampf ums Leben: Herzstillstand. Sie wird reanimiert und auf die Intensivstation gebracht. Dort hört ihr Herz ein zweites Mal auf zu schlagen. Wieder gelingt die Wiederbelebung. Erst danach finden die Ärzte den Grund: Judith leidet am seltenen, angeborenen Long-QT-Syndrom. Etwa einer von 2000 Menschen ist betroffen.
Ausnahmesituationen, wie eine Geburt, verbunden mit Stress, können bei dieser Erkrankung Störungen auslösen. Oft bleibt das lange unerkannt.
Georg Strasser, Facharzt für Kardiologie Klinik Donaustadt
Ein Arzt erklärt verzwickte Lage
Kardiologe Georg Strasser erklärt, was dabei im Herzen geschieht: „Zwischen zwei Herzschlägen gibt es eine kurze Phase der elektrischen Erholung für das Herz – das QT-Intervall.“ Bei Judith dauert sie zu lange, dadurch drohen Rhythmusstörungen. Oft bleibt die Erkrankung jahrelang unbemerkt. Eine Geburt mit körperlichem und emotionalem Stress sowie hormoneller Umstellung könne gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen, so Strasser.
Ärzte mussten auch an ihr Baby und Stillen denken
Gynäkologie, Kardiologie und Intensivmedizin suchten gemeinsam nach der richtigen Behandlung. „Welche Medikamente geben wir der Patientin, damit sie weiterhin stillen kann? Ist auch das Baby betroffen?“, beschreibt Strasser die Fragen des Teams. Judith N. erhält nun Medikamente und einen implantierten Defibrillator.
Neun Monate sind seither vergangen. Jetzt gab es ein Wiedersehen. Mutter und Kind sind wohlauf. N.: „Ich blicke mit großer Dankbarkeit zurück. Mir wurde hier gleich mehrmals das Leben gerettet.“
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