„Krone“-Gastkommentar

Angezählt

Kolumnen
14.09.2026 10:00

Österreichs Stolz gründet auf dem Selbstbild, dass wir als kleines Land hocheffizient und innovativ sind. Wir produzieren Waren höchster Qualität, exportieren sie auf Basis unserer Neutralität in alle Welt und mehren damit unseren Wohlstand. Im Jahr 2002 ging diese Rechnung noch richtig gut auf: Österreich schaffte 1,2 Prozent Weltmarktanteil und somit Platz 22 der Weltrangliste der größten Warenexporteure.

Seither ging es bergab. Von 2002 bis 2023 hat Österreich etwa 15 Prozent Marktanteile verloren. Vor allem Asien konnte uns mit günstigerer Produktion weit überholen. Besonders alarmierend sind die letzten beiden Jahre: Allein 2024 und 2025 betrug der Marktanteilsverlust laut OeNB rund 8,6 Prozent.

Das sollten wir in Relation zu jüngst veröffentlichten Zahlen setzen: Von 2015 bis 2024 sind die Gesundheitsausgaben von 36 auf knapp 58 Milliarden Euro und die Pensionsleistungen von 50 auf knapp 77 Milliarden Euro gestiegen. Unsere Staatsschulden explodieren, zugleich zahlen wir höhere Steuern als die meisten EU-Bürger. Auch die Kosten für Arbeit und Energie liegen weit über dem europäischen Durchschnitt.

Heute ist „Made in Austria“ vor allem eines: zu teuer. Die Folge: Wir sind aus den Top 30 der Warenexporteure geflogen. Selbst Polen, Tschechien, Indien und die Türkei haben uns überholt. Noch gelten wir als wohlhabende EU-Nettozahler. De facto ist das Geschäftsmodell Österreich längst angezählt.

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