Beim Social-Media-Marathon „12hWien“ zeigte die Wiener Polizei über viele Jahre hinweg, wie der Alltag der Exekutive wirklich aussieht, inklusive unwiderstehlichem Wiener Schmäh der extra-trockenen Art. Doch damit ist nun Schluss. Mit Sparsamkeit hat das nur am Rande zu tun.
Für alle, die auf Social Media noch lesen statt nur Filmchen oder Bilder anzuschauen, war der „Twitter-Marathon“ der Wiener Polizei – erst letztes Jahr auf die Plattform Bluesky erweitert – jeden Herbst ein Feiertag im Internet-Kalender. Nun ist aber traurige Gewissheit, dass die launige Begleitung unzähliger einzelner Einsätze eines einzigen Tages Geschichte ist: Die „12hWien“ vom vergangenen Jahr waren die letzten.
„Mir wär‘s anders auch lieber“
Dass das Aus für das legendäre Social-Media-Fest nach acht Jahren auch mit Sparvorgaben zu tun hat, bestreitet Paul Riener nicht. Der Social-Media-Projektverantwortliche war Jahr für Jahr, mit Ausnahme einer Pandemie-bedingten Pause der Aktion 2020, an vorderster Front mit dabei und dampfte die vormaligen „24hWien“ letztes Jahr schon auf die Hälfte der Zeit ein. Die vielen – freiwilligen – Überstunden seines eingeschworenen Teams sind aber nicht der Hauptgrund für die Entscheidung.
Die sozialen Medien haben sich verändert. Diskussionsbereitschaft findet man dort kaum mehr. Mir wär‘s anders auch lieber, aber „12hWien“ hat sich überlebt.

Paul Riener, Projektleiter von „12hWien“
Bild: Martin A. Jöchl
Man habe den Zweck von „12hWien“ nicht mehr erreichen können, so Riener gegenüber der „Krone“: Die einstige Dialogbereitschaft im Internet existiere kaum mehr, stattdessen gebe es fast nur noch Publikum, das auf jeweils separaten Plattformen Bestätigung suche. Generell habe die Twitter-Präsenz der Polizei früher zu Austausch, sinnvollen Fragen zur Arbeit der Exekutive und Informationen über Regeln geführt. Diese Art von Dialog würde man liebend gern auch weiter führen, „aber wie, wenn die Leut‘ nicht da sind?“
Die Polizei verlagert ihre Social-Media-Präsenz dementsprechend dorthin, wo „die Leut‘ sind“: Ende Oktober wird es eine Art „Instagram-Marathon“ mit „möglichst vielen Gesichtern und Geschichten“ geben, allerdings nicht live. Ironische Tweets zu Notrufen wegen Lappalien, „bei denen man sich an den Kopf greift“, werden auch Riener fehlen – aber, so seufzt er, die „Botschaft zwischen den Zeilen“, dass Polizeiarbeit auch ohne Querulanten schwer genug sei, hätten zuletzt ebenso immer weniger Menschen verstanden.
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