Ein Ratschlag, der als Wahlkampfmetapher gedacht war, hat Italiens Außenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Antonio Tajani eine heftige Debatte über Frauenbilder eingebracht.
Bei einer Veranstaltung seiner Partei Forza Italia sagte der 73-Jährige nämlich, er würde seinem Sohn eher eine weniger attraktive Frau mit einem längeren Rock zur Heirat empfehlen. Eine besonders schöne Frau könne zwar für einige Abenteuer gut sein, aber später womöglich untreu werden.
Die weniger auffällige Frau sei dagegen verlässlicher und ernsthafter und wahrscheinlich eine gute Mutter, argumentierte Tajani bei einer Veranstaltung seiner konservative Forza Italia in Formello bei Rom. Seine Aussagen waren als Vergleich mit dem politischen Wettbewerb gedacht: Andere Parteien könnten zwar mit attraktiven Angeboten locken, Forza Italia stehe dagegen für Verlässlichkeit, Stabilität und Treue.
Opposition sprach von „Schande“
Die Äußerungen lösten umgehend Kritik aus. Die Vorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei, Elly Schlein, bezeichnete es als „Schande“, Frauen nach der Länge ihrer Röcke zu beurteilen. Der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi warf Tajani ein Frauenbild „aus dem 19. Jahrhundert“ vor. Als Außenminister solle er sich vielmehr mit der Situation von Frauen in Afghanistan und der dort getragenen Burka beschäftigen, statt sich über die Kleidung italienischer Frauen auszulassen.
Auch die sozialdemokratische Fraktionschefin im italienischen Abgeordnetenhaus, Chiara Braga, kritisierte die Äußerungen. Sie verwies auf die Gewalt gegen Frauen in Italien und warnte davor, dass solche Botschaften in einer Gesellschaft wirkten, in der Frauen immer wieder Opfer männlicher Gewalt und Besitzvorstellungen würden.
Entschuldigung mit langer Rechtfertigung
Nach heftiger Polemik musste sich Tajani am Montagabend entschuldigen. „Ich habe nie daran gedacht, Frauen zu beleidigen, ich habe das mein ganzes Leben lang weder im privaten noch im öffentlichen Leben getan“, so der konservative Politiker. Er verwies zugleich auf sein politisches Engagement für die Rechte von Frauen. Als Beispiel nannte er seine Entscheidung, Frauen zu Botschafterinnen in Ländern mit schwieriger Menschenrechtslage zu ernennen. „Gerade zur Verteidigung der Rechte der Frauen habe ich eine Frau zur Botschafterin im Iran und eine Frau zur Botschafterin in Afghanistan ernannt“, erklärte Tajani. Damit habe er ein „sehr klares Signal“ geben wollen, dass die Rechte von Frauen überall auf der Welt nicht mit Füßen getreten werden dürften.
Rückendeckung erhielt Tajani auch von er italienischen Ministerpräsidentin Gioria Meloni. „Ich denke, Tajani hat sich lediglich schlecht ausgedrückt. Ich würde die Sache nicht aufblasen“, versuchte die Regierungschefin zu kalmieren.
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