Das Grazer Schauspielhaus öffnete am 9. September 1776 zum allerersten Mal seine Pforten und gehört somit zu den ältesten Sprechtheatern im deutschsprachigen Raum. Nicht nur der Adel erfreute sich an den Vorstellungen, auch das normale Volk hatte Zutritt und nutzte diesen gerne.
„Ein wohlgeordnetes Schauspiel ist eine wahre Schule der Sitten, Höflichkeit und Sprache.“ Mit diesen wohlwollenden Worten richteten vor mehr als 250 Jahren Graf Orsini-Rosenberg und Polizeidirektor Graf Stubenberg einen Appell an die steirischen Stände, der Stadt Graz doch ein Theater zu errichten. Und sie wurden erhört.
1774 erfolgte der Spatenstich an jenem Standort, an dem das Theater heute noch steht. Zwei Jahre dauerte es, bis der barocke Prachtbau nach den Plänen von landschaftlichen Maurermeister und späteren Hofbaumeister Joseph Hueber fertiggestellt wurde. Dieser schaffte das Kunststück nicht nur Logen für das adelige Publikum, sondern auch Sperrsitze, Bänke und Stehplätze für das gemeine Volk unterzubringen. Die sieben Kulissengassen ermöglichten schnelle Szenenwechsel, für die Beleuchtung waren Kerzen und Öllampen vorgesehen, beheizt wurde das Haus mit sechs großen Öfen unter dem Parterre.
Unter den Direktoren und Schauspielern der ersten Jahre finden sich viele klingende Namen: Emanuel Schikaneder, Johann Nestroy und Alexander Girardi sind darunter.
Brand und Neubeginn im 19. Jahrhundert
1823 schließlich wurde zum Schicksalsjahr für das damals dringend renovierungsbedürftige Schauspielhaus. Schon am 21. Dezember fiel ein Luster von der Decke, was zum Glück ohne Verletzte blieb. In der Nacht auf den 25. Dezember schließlich brach ein Brand aus und zerstörte das Haus bis auf die Grundmauern – auch wegen der vielen Schaulustigen, die den Brandeinsatz behinderten.
Schnell war man sich in der Stadt einig, das Theater wieder aufzubauen, was in einer Zeit wirtschaftlicher Rezession und gegen den Widerstand Erzherzog Johanns tatsächlich auch geschah. Nicht ganz zwei Jahre später wurde der klassizistische Bau (die Kosten wurden um 100 Prozent überzogen) wieder eröffnet.
Künstlerisches Highlight dieser Tage war die österreichische Erstaufführung von Richard Wagners „Tannhäuser“ im Jahr 1854, die Graz zu einer wichtigen Wagnerstadt machte.
Der zweite Neustart ließ auf sich warten
Der Zahn der Zeit nagte auch an diesem Haus und 1952 musste es nach 125 Jahren ununterbrochener Nutzung wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Dieses Mal dauerte der Wiederaufbau länger. Erst am 14. März 1964 wurde es feierlich wieder eröffnet. Davon in Erinnerung geblieben ist der junge Helmuth Lohner als „Hamlet“.
Sein Aussehen hat das Haus bis heute nur marginal verändert. Innen herrscht jedoch immer ein frischer Wind. Seit 20 Jahren befindet es sich zudem fest in Frauenhand.
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