Mit über dem Kopf erhobenen Küchenmesser rannte eine Grazerin schreiend auf ihren Nachbarn zu und wollte ihn „abstechen“. Dass der Mann diese blutige Attacke mit Wunden am Kopf und an der Hand überlebte, ist offenbar dem Schicksal zu verdanken.
Zu dem Mordversuch kam es Mitte März in einem Wohnhaus in Graz-Gösting, dass die 48-Jährige seit wenigen Monaten jetzt gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnte. Seit über zehn Jahren ist das Obergeschoss untervermietet. Probleme mit dem Mitbewohner gab es nie.
Doch weil die gebürtige Kärntnerin offensichtlich schon seit vielen Jahren mit verschiedenen Drogen- und Medikamentenabhängigkeiten zu kämpfen hat, entwickelte sie eine psychische Störung, eine Art massiven Verfolgungswahn. Und so bildete sie sich ein, dass sie von dem 57-Jährigen verfolgt wird, er überall Kameras installiert hat, ihre Mutter aufhetzt und das Wasser vergiftete. Deswegen musste sie sich zur Wehr setzen.
Vor Wut Terrassentüre eingetreten
Sie nahm ein Küchenmesser und trat laut schreiend die Glasscheibe der Terrassentür zur Wohnung ihres Kontrahenten ein. Zur Erklärung: Zur Tatzeit hatte die Frau Morphin, ein Beruhigungsmittel und Reste von Kokain im Blut. Von dem Klirren erschrocken kam der Nachbar herangelaufen, zog den Vorhang zur Seite und stand der wütenden Frau gegenüber, die das Messer drohend über dem Kopf erhoben hielt.
„Ich stech‘ dich ab. Ich bring‘ dich um“, brüllte sie und duckte sich durch die eingetretene Tür. Der 57-Jährige rannte in Todesangst davon, die Messerstecherin hinten ihm her. Als sie ihn eingeholt hatte, und mit der Waffe ausholte, um zuzustechen – rutschte sie plötzlich auf einem Teppich aus und landete auf dem Boden. Der Nachbar nutzte diesen Moment und lief Richtung Terrasse.
Bei Festnahme einen Polizisten verletzt
Doch dann stolperte er und stürzte ebenfalls. Wutentbrannt trat die Betroffene, die sich inzwischen aufgerappelt hatte, auf ihn ein, bespuckte ihn und schrie, dass er jetzt sterben werde. Erst ihrer durch die Schreie alarmierten Mutter, gelang es, die Tochter von ihrem Opfer wegzuziehen. Als die Polizei kam, setzte die 48-Jährige noch einen Widerstand und verletzte einen Uniformierten.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ohne den Teppich-Sturz der Mann vermutlich nicht mehr leben würde. Da die Frau aber aufgrund ihrer Erkrankung nicht zurechnungsfähig war, wurde vom psychiatrischen Sachverständigen eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum empfohlen. Ende Oktober werden die Geschworenen am Grazer Straflandesgericht über den Unterbringungsantrag entscheiden.
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