Neues Album „Smogstar“

Culk: Soundtrack zum Leben in einer Großstadt

Musik
08.09.2026 05:00

Nach drei Alben voller Schwere wollte das Wiener Düster-Rock-/Noise-Kollektiv Culk auch einmal lichtere Sphären ansteuern. „Smogstar“ nennt sich das vierte Studioalbum, das im eigenen Kontext tatsächlich sonniger, aber immer noch kritisch und dystopisch erscheint. Der „Krone“ erzählten drei Viertel der Band mehr über die gelungene Veränderung.

kmm

Die Titel waren bislang relativ unmissverständlich. „Zerstreuen über euch“ (2020) und „Generation Maximum“ (2023) haben recht deutlich widergespiegelt, dass beim Quartett Culk Skepsis und Düsternis überhandgenommen haben. Sich bewusst von dieser Schwere zu trennen und andere Facetten zu zeigen, das war eines der größten Ziele, dass sich die vier Freunde zu Beginn des Songwritingprozesses zum neuen Album gestellt haben. „Ich habe daran gedacht, dass wir beim Livespielen nicht jeden Abend den Schmerz der ganzen Welt aufgerollt haben wollen“, so Frontfrau Sophie Löw im gemeinsamen „Krone“-Interview, „ich will nicht mehr jeden Abend in die dunkelsten Ecken der Gesellschaft blicken. Ob uns das gelungen ist, kann ich nicht sagen. Wir haben auf jeden Fall versucht, eine andere Richtung einzuschlagen und ein bisschen aus dieser Nische herauszukommen.“

Mit der Zeit formte sich das Konzept
Das nun vorliegende Ergebnis hört auf den Namen „Smogstar“ und ist fiktives Stadtalbum, das die Hitze, den Beton und die Dystopie einer Metropole in grungigen, noisigen und Alternative-rockigen Kapiteln vertont. Begonnen hat alles mit dem Song „Kaputte Speaker“, den man eigens für den Auftritt beim Wiener Popfest geschrieben hat. Von dort weg tasteten sich Culk an das nun fertige Album heran. Löw hat selbst das Artwork und die Graphic-Novel-artigen Illustrationen beigesteuert. Es geht um einen fiktiven Charakter, der sich in einer Metropole fortbewegt – Parallelen zu eigenen Erfahrungen und Erlebnissen natürlich nicht ausgeschlossen. Von den Zeichnungen weg formte sich dann peu à peu ein Konzept, das schlussendlich in Töne und Klänge gegossen wurde.

„Hauptsächlich geht es um Identitätsfindung“, führt die Frontfrau genauer aus, „gerade in einer Stadt, wo man sich so schnell verlieren kann, aber gleichzeitig hat man so viele Freiheiten zu sein, wer man sein will. Man kann sich in der Anonymität ausprobieren. Diese Anonymität kann unangenehm, aber gleichzeitig so befreiend sein. Eine Stadt steckt voller Widersprüche und diesen Aspekt fand ich fürs Songwriting besonders schön.“ Dazu passt nicht nur das Lied „Willkommen in der Stadt“, sondern besonders gut auch der Track „Weiß nur, wer ich nicht bin“. „Gleichzeitig ist diese Suche nach sich selbst und seinem Platz im Leben nicht mit einen Endpunkt versehen, sondern eigentlich ein Prozess, was alles noch viel spannender macht“, fügt Bandkollege Johannes Blindhofer bei, „jeder Prozess führt einen irgendwo hin. Man weiß nur selten wohin.“

Lichte Zugänge in der Dystopie
Klassische Culk-Subthemen wie das Verlorensein, Unsicherheiten oder eine immerwährende Suche lassen sich natürlich nicht ganz wegretuschieren. Mit „Twenty, Eighteen“ blickt man das erste Mal zurück ins Jahr 2018, wo die Band ins Rollen kam und alles seinen Anfang nahm. Doch Obacht! Der Beistrich ist im Songtitel nicht umsonst gewählt, denn in der Doppeldeutigkeit wird auch das prägende Alter 18 bis 20 noch einmal in den Vordergrund gekehrt. In diesen Jahren haben die Bandmitglieder Culk in Position gebracht. „Die Zeit ist ein Thema, mit dem wir alle ständig konfrontiert sind.“ Obwohl nicht nur der Albumtitel „Smogstar“, sondern auch die gesamte Ästhetik eine fortlaufende Dystopie attestiert, gibt es auch lichtere Zugangsweisen zum Album. „Es geht auch ein bisschen ums Bauen einer Stadt, um das Kindsein im Kopf“, so Blindhofer, „Welten aufzubauen, in die man eintauchen kann. Aber ja, wir mögen auch dystopische Sci-Fi-Filme oder Bücher von Samuel Delaney.

Sophie Löw, Christoph Kuhn und Johannes Blindhofer von Culk (v.l.) im Talk mit „Krone“-Redakteur ...
Sophie Löw, Christoph Kuhn und Johannes Blindhofer von Culk (v.l.) im Talk mit „Krone“-Redakteur Fröwein(Bild: Gerhard Bartel)

Zur Identitätsfindung gehört das Erwachsenwerden automatisch dazu. Die Musikerinnen wurden das im Gleichschritt mit der Entwicklung der Band. „Wir haben dabei gelernt, wie wir als Individuen, aber auch kollektiv in der Gruppe agieren.“ Einen neuen Zugang wagte man auch beim Produktionsteam. Statt Wolfgang Lehmann saß Leyya- und My Ugly Clementine-Musikerin Sophie Lindinger hinter den Reglern. „Sophie hat eine andere Soundwelt als Wolfy, aber wir haben mit beiden großartig zusammengearbeitet“, freut sich Drummer Christoph Kuhn, „wir gehen für gewöhnlich schon mit fertigen und geschliffenen Songs ins Studio. Da ist normalerweise nichts mehr so halb. Mit Sophie haben wir jedenfalls eine tolle neue Option für unsere Klangwelt dazugewonnen.“ Dass die Veränderungen im Sound nicht austreibend sind, gibt die Band unvermittelt zu. „Wir sind immer noch eine Nischeband und für die Hörer in der Nische werden die Unterschiede schon markant sein“, so Blindhofer, „wir können auch deshalb selbstbewusster agieren, weil wir uns unseren Platz in der Musikwelt erarbeitet haben.“

Ein neuer Grundstock
„Das neueste Album ist immer mein Lieblingsalbum“, schmunzelt Kuhn, „denn wenn ich auf die älteren Alben zurückschaue, sehe ich immer viel mehr Dinge, die ich gerne ändern würde. Aber es ist auch schön, wenn man mit jedem neuen Album eine Honeymoon-Phase hat, in der einem alles toll vorkommt. Irgendwann einmal änderts ich das ohnehin wieder.“ Auch Blindhofer ist mit dem Ergebnis von „Smogstar“ mehr als glücklich. „Wir haben die besten catchy Refrains von all unseren Alben geschafft und ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben, uns zu reduzieren. Auch einmal die einfache Idee gewinnen zu lassen und nicht alles zu überdenken. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit diesem Album sehr viel aufgebaut haben. Dass es ein Grundstock für die nächsten Jahre ist. Das ist uns ausgezeichnet gelungen.“

Live in Österreich
In wenigen Tagen beginnen Culk eine ausladende Deutschland-Tour, bevor sie „Smogstar“ dann auch zweimal bei uns präsentieren. Am 1. Oktober stellen sie das gelungene Album im Wiener Flex vor, am 16. Oktober in der ARGEKultur in Salzburg. Unter www.culk.at oder www.oeticket.com gibt es weitere Infos und Links zu den Tickets für die Konzerte.

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