78.000 Euro zusätzlich

Sparstift anderswo: Geldregen für Queer-Zentrum

Wien
08.09.2026 05:00

Während viele Wiener Kulturinstitutionen angesichts des Sparbudgets jeden Cent zweimal umdrehen müssen, kann sich das queere Kulturzentrum QWien über einen warmen Geldregen freuen: Die Stadt hilft mit 78.000 Euro zusätzlich aus, weil den Betreibern 360.000 Euro für den neuen Standort nicht reichen.

Vor rund einem Jahr öffnete das queere Kulturzentrum QWien in der Margaretner Ramperstorffergasse als Museum und Archiv seine runderneuerten Pforten. Das förderte die Stadt mit 360.000 Euro, zusätzlich zur Jahressubvention von 620.000 Euro und weiteren Zuwendungen für einzelne Projekte. Das, gepaart mit Einkünften und Spenden, hat QWien aber nicht gereicht. Jetzt gibt es noch einmal 78.000 Euro obendrauf.

Verein macht Notwendigkeit von mehr Sicherheit geltend
Die Kostenexplosion von fast 22 Prozent wurde bereits gegen die Stimmen von FPÖ und ÖVP in den zuständigen Ausschüssen durchgewunken. Das ärgert vor allem FPÖ-Wien-Kultursprecher Lukas Brucker, der darin einen „rot-pinken Skandal“ sieht: „Während SPÖ-Kulturstadträtin Kaup-Hasler fast überall den Rotstift ansetzt, gibt es für queere Projekte Geld in Hülle und Fülle. QWien bekommt heuer fast 700.000 Euro – diese Steuergeldverschwendung muss endlich gestoppt werden.“

Von links: Michael Luxenberger (Bezirksvorsteher Margareten, Grüne), Hannes Sulzenbacher ...
Von links: Michael Luxenberger (Bezirksvorsteher Margareten, Grüne), Hannes Sulzenbacher (Qwien), Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, Andreas Brunner (Qwien), Harriet Leischko (Qwien), Thomas Weber (LGBTIQ+-Sprecher der NEOS Wien) bei der Eröffnung der neuen Lokalität(Bild: Markus Wache)

QWien-Chefkurator Hannes Sulzenbacher macht gegenüber der „Krone“ die Notwendigkeit von „in dieser Form nicht geplanten“ Baumaßnahmen für die Mehrkosten verantwortlich. Damit meint er vor allem die Nachbarschaft zum Vereinslokal der rechtsextremen Identitären in derselben Gasse. Die waren zwar auch schon vorher da, laut Sulzenbacher habe man aber vergeblich auf „wechselseitiges Ignorieren“ gehofft und fühle sich bedroht.

„Faire Bezahlung“ für Vereinsmitglieder geht ins Geld
Man habe als Teil eines nachgeschärften Sicherheitskonzepts den Eingangsbereich umgeplant, Türen besser gesichert und das Überwachungssystem ausgeweitet, so Sulzenbacher. Zudem gebe es nun bei der Kassa eine Doppelbesetzung. Auch das dürfte ins Geld gehen, denn der Verein ist stolz darauf, nicht auf freiwillige Mitarbeit setzen zu müssen, sondern allen Mitarbeitern „faire Bezahlung“ zu versprechen. Die Mehrkosten für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen sind aber nur die halbe Wahrheit.

Im Förderantrag von QWien ist auch die Rede davon, dass man das Geld für mehr Barrierefreiheit und Fluchtwege brauche. Die Vorgaben dafür haben sich allerdings seit der ursprünglichen Förderung nicht geändert. Eine Fehlplanung also, für die der Steuerzahler geradestehen muss? Fragen dazu lässt Sulzenbacher offen, gibt aber zu, dass die Kostenvoranschläge aus dem Jahr 2023 angesichts der hohen Inflation nicht mehr gereicht hätten. Das habe aber „alle Kulturinstitutionen sehr getroffen“. Mit dem Unterschied allerdings, dass dort nicht automatisch die Stadt einsprang.

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