Zum Schulstart setzt Wien auch auf neue Regeln im Kindergarten: Deutsch soll nicht zur Minderheitensprache werden. Zudem wird die Kühlung für Hitzestandorte erheblich erleichtert.
Am Montag beginnt für rund 19.000 Wiener Tafelklassler der Ernst des Lebens. Kurz vor dem Schulstart präsentierten Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) und Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs die Neuerungen für das Bildungsjahr. Ein Schwerpunkt liegt bereits vor der Schule: im Kindergarten.
Sprachcluster sollen aufgelöst werden
Künftig sollen dort Gruppen stärker durchmischt werden. Emmerling will verhindern, dass sich innerhalb einer Gruppe ein eigenes Sprachumfeld abseits des Deutschen bildet. In Zukunft soll höchstens ein Fünftel der Kinder dieselbe andere Alltagssprache teilen. Dabei gehe es nicht darum, eine fixe Quote deutschsprachiger Kinder vorzuschreiben, stellte die Stadträtin klar. Als Beispiele nannte sie Gruppen, in denen zehn, 15 oder noch mehr Kinder etwa Arabisch, Türkisch oder Englisch miteinander sprechen. Genau solche Sprachcluster sollen durch eine andere Aufteilung vermieden werden.
Es geht darum, dass wir kein anderes Sprachbad etablieren, das nicht Deutsch ist. Es geht um eine bessere Aufteilung und Durchmischung.

Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos)
Bild: Zwefo
Familien müssen auch Umwege in Kauf nehmen
Die Umstellung soll schrittweise erfolgen. Bestehende Gruppen will Emmerling nicht auseinanderreißen. „Es darf kein Kindergartenplatz verloren gehen“, so gegenüber der „Krone“. Relevant wird die neue Vorgabe daher vor allem bei Neuaufnahmen. Steht in einer Gruppe kein geeigneter Platz mehr zur Verfügung, könnte ein Kind künftig einer anderen Gruppe oder auch einem anderen Standort zugeteilt werden – und damit durchaus auch längere Wege in Kauf nehmen müssen.
Wir sind wirklich in der glücklichen Lage zu sagen: Wir haben so gut wie alle Stellen besetzt und noch einen Pool an geeigneten Bewerbern.

Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs
Bild: Zwefo
Gruppen werden von Jahr zu Jahr kleiner
Parallel dazu sollen die Kindergartengruppen kleiner werden. Der Start ist für 2028 vorgesehen. Danach soll die Gruppengröße im Rahmen eines Zehn-Jahres-Programms alle zwei Jahre um ein Kind sinken. Einer rascheren Umsetzung steht auch der Mangel an Elementarpädagogen im Weg.
Fast alle Lehrerstellen sind besetzt
Entspannung gibt es dagegen bei den Lehrern. Nach schwierigen Jahren meldet die Bildungsdirektion heuer doppelt so viele Bewerbungen wie ausgeschriebene Stellen. Fuchs sprach von „so gut wie allen“ besetzten Posten. Lediglich im niedrigen zweistelligen Bereich seien derzeit noch Stellen offen. Gleichzeitig stehe ein Pool geeigneter Bewerber bereit.
Mehr Geld für Deutschförderung
Auch bei der Deutschförderung gibt es Änderungen. Schulen können künftig flexibler entscheiden, ob Kinder in eigenen Deutschförderklassen, in kleineren Gruppen oder stärker integrativ unterstützt werden. Bei außerordentlichen Schülern, also Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen, hofft die Stadt auf eine Trendwende. Prognosen deuten laut Emmerling auf sinkende Zahlen hin.
Einfacher zur Abkühlung
Und auch gegen die Sommerhitze soll nachgerüstet werden: Mobile Klimageräte und Ventilatoren werden leichter möglich, ebenso Nacht- und Querlüftung. Für ältere Schulgebäude können künftig auch Klimaanlagen über das Schulsanierungsprogramm gefördert werden.
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