Strafe für Anschlag

Berlin könnte für Kiew russische Ziele erfassen

Ausland
03.09.2026 15:30

Deutschland sieht eindeutig Russland hinter dem vereitelten Drohnenanschlag in Leipzig und erhöht angesichts der Aggression den Druck auf Moskau. Laut einem Medienbericht erwägt die Regierung in Berlin sogar, der Ukraine Zieldaten für Angriffe in Russland zu liefern.

Sprengstoffdrohnen sollten Anfang August offenbar ein ukrainisches Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig in die Luft jagen. Die deutsche Bundesregierung sieht Russland hinter dem versuchten Anschlag und reagiert mit Vergeltungsmaßnahmen. „Sie werden dafür bezahlen“, erklärte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag.

Harte Strafen angekündigt
Deutschland übt Vergeltung auf mehreren Ebenen: So wird das Russische Haus in Berlin, offiziell ein Kulturzentrum, geschlossen. Auch das russische Generalkonsulat in Bonn soll zusperren. Zudem wurden schärfere EU-Sanktionen und mehr Druck auf die Öltanker der russische Schattenflotte angekündigt. Auch militärisch bleibt die Antwort nicht aus: So sollen Tausende Angriffsdrohnen und weitere Flugabwehrraketen vom Typ IRIS-T geliefert.

Die Ukraine greift immer wieder mit Langstreckendrohnen Ziele in Russland an. Jetzt könnte der ...
Die Ukraine greift immer wieder mit Langstreckendrohnen Ziele in Russland an. Jetzt könnte der deutsche Geheimdienst Koordinaten dazu liefern.(Bild: AP/Efrem Lukatsky)

„Intensivierte Zusammenarbeit“
Zudem ist eine Maßnahme geplant, die technisch klingt, aber weitreichende Folgen haben kann: So solle die „Zusammenarbeit der Nachrichtendienste zwischen Kiew und Berlin intensiviert“ werden, hieß es aus Regierungskreisen gegenüber dem „Spiegel“. Demnach erwägt die Regierung konkret, der Ukraine zukünftig dabei zu helfen, Zielkoordinaten für Gegenangriffe auf russischem Territorium zu sammeln.

Solche, vom Bundesnachrichtendienst (BND) gesammelte, exakten Daten könnten Kiew noch verheerendere Angriffe mit Langstreckendrohnen ermöglichen. Bisher fließen solche Informationen nur mit einer Verzögerung an die ukrainischen Geheimdienstpartner.

Mit Drohnenangriffen will die Ukraine die russische Kriegswirtschaft zerstören.
Mit Drohnenangriffen will die Ukraine die russische Kriegswirtschaft zerstören.(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

Insbesondere deutsche Militärhilfe sei dafür verantwortlich gewesen, dass die Ukraine zuletzt militärisch erfolgreich war, hieß es aus Regierungskreisen gegenüber dem „Spiegel“. Weil der russische Machthaber Wladimir Putin an der Front keine Antwort darauf habe, setze auf Eskalation. Einerseits mit massiven Angriffen auf die ukrainische Zivilbevölkerung, andererseits mit hybriden Attacken gegen Kiews Unterstützer. Die Bundesregierung rechnet daher mit weiteren Anschlägen auf deutschem Boden.

Hybride Kriegsführung
Hinter der Kreml-Strategie der hybriden Kriegsführung steckt die Absicht, die Grenzen zwischen Krieg und Frieden zu verwischen, zu provozieren und Reaktionen auszutesten. Seit Jahren gibt es immer wieder solche Attacken, etwa Drohnenflüge oder Cyberangriffe. Jetzt häufen sich die Vorfälle, hinter denen Moskau als Drahtzieher vermutet wird.

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