Nachts. Alleine. Auf offener Straße. Eine Situation, die bei vielen Frauen leider nach wie vor für Unwohlsein sorgt. Auch zwei junge Cousinen boten im vergangenen Oktober nach einer Party im Wiener Prater Dome einer jungen Slowakin ihre „Hilfe“ an. Was niemand ahnte: Wenige Monate später würden sich die drei Frauen wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landesgericht wiedersehen.
Gehirnerschütterung, Schädelprellung, Monokelhämatom, Nasenbeinbruch. Die Liste der Verletzungen ist lang. Der Vorwurf: schwere absichtliche Körperverletzung. Das Opfer: eine zum Tatzeitpunkt 29-jährige Slowakin. Die beiden Cousinen: angeklagt. Doch was genau war am 19. Oktober vergangenen Jahres passiert, dass eine einfache Begegnung derart eskalierte?
„Haben ihr Hilfe angeboten“
Die 29-Jährige soll laut Aussagen der beiden Angeklagten alleine vor dem Klub gestanden haben – sie sah hilflos aus. „Weil wir selbst nicht gerne vor dem Prater Dome alleine herumstehen, haben wir ihr Hilfe angeboten“, erklärt die heute 23-jährige Zweitangeklagte. Sie ist bereits einschlägig vorbestraft.
Traten in „brutaler Manier“ auf Opfer ein
Die beiden wollten die junge Slowakin zum Taxi begleiten. Laut der Slowakin sei sie jedoch gedrängt worden, mit zu einer After-Party zu kommen. Dann kippte die Stimmung. „Plötzlich meinte sie, sie brauche unsere Hilfe nicht. Wir sollen uns sozusagen verpissen“, schildert die Erstangeklagte (22). Das spätere Opfer verpasste der 22-Jährigen daraufhin plötzlich eine „Watsche“. Was folgte, war ein brutaler Angriff: Die Cousinen schlugen und traten laut Staatsanwaltschaft „in brutaler Manier“ auf die Slowakin ein.
Videoaufnahmen vor dem Nachtlokal zeigen den Angriff. Auch das Einschreiten von Passanten hielt die Erstangeklagte letztlich nicht davon ab, dem bereits am Boden liegenden Opfer noch einen wuchtigen Tritt ins Gesicht zu verpassen.
Jungen Frauen zeigen sich reumütig
Dass die beiden Angeklagten am Donnerstag im Wiener Landl reumütig sind, bekommt jeder im Saal zu spüren: Beide bekennen sich schuldig. „Ich schäme mich einfach“, sagt die Zweitangeklagte (23).
Ich war wütend, böse – auf 180. Es war alles zu viel und zu schnell auf einmal.
Die Erstangeklagte zum Schöffengericht.
Auf die Frage nach dem Warum haben beide bis heute keine richtige Antwort. „Ich war wütend, böse – auf 180. Es war alles zu viel und zu schnell auf einmal“, schildert die 22-Jährige. Für ihren Verteidiger Zaid Rauf ist klar: „Beide Frauen haben Angst, dass sie aus ihrem Leben herausgerissen werden, ins Gefängnis müssen.“ Das wolle er verhindern.
Und das gelingt ihm auch. Nachdem sich die Richterin mit den beiden Schöffen zur Beratung zurückgezogen hat, fällt bereits am Vormittag das Urteil: Die beiden Österreicherinnen bekommen jeweils 24 Monate bedingt. Außerdem müssen sie dem Opfer 2600 Euro zahlen.
Denn die zum Tatzeitpunkt 29-Jährige leidet bis heute unter den Folgen der Verletzungen und braucht womöglich noch eine Operation.
„Beim Lesen des Aktes wollte ich schon strenger sein“, erklärt die Richterin nach der Urteilsverkündung. „Ich merke, dass es ihnen leidtut. Ich finde, es ist nicht notwendig, dass sie tatsächlich ins Gefängnis müssen.“ Gleichzeitig mahnt sie: „Das ist ihre letzte Chance.“ Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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