Fieranten, Kegelbuben, Spieler, Bauern – einfach Menschen, und jede Menge Landmaschinen und Co., das rege Treiben im Trubel auf der Bleiburger Wiesen (heuer von 4. bis zum 7. September) begeisterte in den vergangenen Jahrhunderten nicht nur Zigtausende Besucher, sondern auch einen wahren Kärntner Ausnahmekünstler: Werner Berg.
„Wenn wir jetzt zurückblicken, dann sind die ersten Werke meines Großvaters vor 95 Jahren entstanden“, sagt Berg-Enkel Harald Scheicher, der nicht nur das Lebenswerk des Großvaters verwaltet, sondern auch Kurator des Werner Berg Museums ist.
Mit dem Waffenrad zum Unterkärntner Volksfest
Mit 27 Jahren schritt der Künstler das erste Mal über das Festgelände. Mit dem Waffenrad reiste er von Gallizien nach Bleiburg. „Mein Großvater war begeistert, in diese fremde Welt eintauchen zu dürfen.“ Berg selbst bezeichnete das Volksfest als „Vergatterung des Kärntner Unterlandes“.
Und auch im fortgeschrittenen Alter war für Berg der Bleiburger Wiesenmarkt noch immer voller Faszinationen. Wohl auch um seine Skizzen vom bunten Markttreiben anzufertigen.
„Mein Großvater mischte sich unters Volk. Er hatte jedoch immer einen Platz gefunden, wo er zwar mittendrin war, aber trotzdem abseits, wo er beim Skizzieren nicht gestört worden ist“, schwelgt Scheicher in Erinnerungen.
Obwohl Berg in dem ganzen Treiben die Ruhe suchte, unbemerkt blieb er bei seiner Arbeit nicht – auch wenn sie oftmals nur kurz dauerte. Viele sagten, dass seine Aura ausstrahlte, dass er bei der Arbeit seine Ruhe gebraucht hatte: „Für die Skizzen, die Vorlage für seine Werke waren, brauchte mein Großvater nur ein paar Sekunden.“ Mit dabei hatte der Künstler immer seine Tasche, Bleistifte und einen Skizzenblock.
In dem Marktgewirr zeichnete Berg Schießbuden, Menschen, Paare, Zelte, Wagen und später auch Riesenräder, Schiffsschaukel und Karusselle im Vergnügungspark.
Menschen blieben immer das liebste Motiv
Besonders fasziniert war Berg aber von Gesichtern, vom Spiegel der Menschen. „Zuweilen drängen sich mir Themen auf, die im Gegensatz zu dem stehen, was man von mir erwartet, wie etwa die Landmaschinen. Und diese Dinosaurier haben mich in einer ganzen Folge von Bildern beschäftigt“, sagte Berg nach einem Besuch der Bleiburger Wiesen, die er oftmals erst in den frühen Morgenstunden verließ. Unmittelbar vor seinem Tod besuchte Berg das letzte Mal das Bleiburger Volksfest: „Der Auf – wie der Abbau am Marktgelände faszinierte meinen Großvater genauso wie alles andere auf dem Fest auch. „
Zu dieser Zeit war sein Enkel bereits sein Chauffeur und führte ihn mit seinem Audi 80 zur Marktwiese: „Mitgenommen hat er mich aber nicht!“
Eben ganz im Stillen und ungestört beobachtete der Künstler die zahlreichen Fieranten, die Schausteller und ihr Leben in der Wohnwagen-Welt und die Tausenden schwankenden Zecher auf ihrem Heimweg vom Bleiburger Wiesenmarktgelände und den Bierzelten.
Hunderte Skizzen, Holzschnitte und Ölbilder sind als stille Zeitzeugen im Laufe der Jahrzehnte über die Bleiburger Festwiese entstanden – mit den verschiedensten Facetten, aber ganz im Stil von Werner Berg.
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