Vergessen im Kirchlein auf dem Petersberg, gespielt in Wien, restauriert in Murau – und bald erklingt das Knoller-Orgelportativ in der Friesacher Pfarrkirche. Von einer langen Reise und unermüdlichen Reisegefährten.
Die älteste Orgel Friesachs ist für Bewegung gebaut worden: Das Orgelportativ kann, wie der Name schon verrät, mitgenommen werden, beispielsweise auf Prozessionen. Es ist eine kleine, tragbare Orgel. Dieses Exemplar aber hat eine noch weitere Reise hinter sich.





Das K, das Muster auf den Tasten, die Buchstaben auf den Pfeifen
Erbaut wurde sie von Franz Knoller (gestorben 1732), der in St. Veit seine Werkstatt hatte. Sein Name tauchte erstmals 1703 beim Bau der Orgel für die Stadtpfarrkirche St. Veit auf. „Knoller hat seine Instrumente oft nur mit einem K, nicht mit seinem ganzen Namen signiert. Das Friesacher Orgelportativ ist farblich ganz ähnlich der Knoller-Orgel von Metnitz. Für Knoller-Orgeln ist ein Muster an der Vorderseite der Tasten typisch, und dieses Muster weist das Portativ auf. Und Knoller hat die Töne der Pfeifen mit Buchstaben beschriftet. An seiner Handschrift ist er erkennbar“, verrät Alois Gaggl, der in Ossiach Organist ist und heuer, wie berichtet, wesentlich an der Sanierung der Knoller-Orgel in der Stiftskirche Ossiach beteiligt war.
Die Reise der ältesten Friesach Orgel könnte ohne Gaggl ebenfalls nicht vollendet werden.
In der Peterskirche ist nur selten Gottesdienst; das Portativ kommt im Herbst in die Propsteikirche.

Propst Leszek Zagorowski
Bild: Dieter Arbeiter
Musiker verliebte sich ins Instrument
„René Clemencic ist in der Kirche auf dem Petersberg zu Friesach auf das damals schon etwas verkommene Portativ gestoßen und hat es gegen ein Harmonium eingetauscht“, weiß Gaggl. In Wien hat der Komponist, Instrumentalist und Leiter des Ensembles „Musica Antiqua“ auf dem alten Instrument gespielt.
Zwei Kärntner auf Schatzsuche
Zwei Klagenfurter Instrumentensammler stießen in einem Buch von Clemencic auf ein Foto der Friesacher Orgel: der im Vorjahr verstorbene Musiker Ingomar Mattitsch sowie der Botaniker und Musiker Gerfried Horand Leute. „Gerfried Leute erzählte mir davon, ich habe Clemencic’ Witwe kontaktiert, wir haben gemeinsam mit dem Organisten Bernhard Hanak Sponsoren gesucht, was nicht einfach war, und die Orgel gekauft“, freut sich der Orgelfreund Gaggl.
Derzeit befindet sich das Instrument im steirischen Murau bei Orgelbaumeister Walter Vonbank und wird restauriert.
Rückkehrfest im Herbst
In das Kirchlein auf den Petersberg wird das Orgelportativ aber nicht mehr kommen. „Dort feiern wir nur zweimal im Jahr Gottesdienst und manchmal eine Taufe oder Hochzeit. Aber im Altarraum in der Propsteikirche St. Bartholomäus herunten in der Stadt wird das Instrument oft erklingen. Im Herbst feiern wir ein Fest“, so Propst Leszek Zagorowski, der mit seinem Bruder Jacek Zagorowski, dem Pfarrprovisor von Zeltschach, das Orgelprojekt ebenfalls unterstützt. Ein Termin für das Rückkehrfest steht noch nicht fest.
„In der gotischen Halle im Wohnturm auf dem Petersberg hätte ich mir die Orgel auch gut vorstellen können, dort wären Konzerte ebenfalls wunderbar. Aber natürlich passt sie in die große Kirche“, freut sich Gaggl, der die Orgel bald spielen möchte und schon Idee für ein mögliches Programm hat.
Knoller-Orgeln in Kärnten
Erstmals taucht der Name Franz Knoller 1703 beim Orgelbau in der Stadtpfarrkirche St. Veit an der Glan auf. Seine Geburtsdaten und der Ort sind unbekannt, er dürfte aus Tirol nach Kärnten gekommen sein, heiratete in der Herzogstadt, wo er seine Orgelbauwerkstatt einrichtete. Gut 20 neue Orgeln in Kärnten und der Obersteiermark schuf Knoller, der 1732 in St. Veit starb. Knoller-Orgeln klingen beispielsweise in St. Veit, Straßburg und Metnitz.
Nie werden in den Kirchen zufällig Persönlichkeiten dargestellt. So haben auch die manchmal an Flügeltüren der Orgeln gemalte Heilige ein Bewandtnis: Cäcilia ist die Patronin der Kirchenmusik; dazu wurde sie jedoch durch einen Irrtum: Eine hübsche Römerin soll die um 200 geborene Cäcilia gewesen sein. Die Christin musste den Heiden Valerianus heiraten, der sich dann taufen ließ. Er, sein Bruder Tiburtius und Cäcilia begruben trotz Verbots hingerichtete Christen. Dafür wurden die Männer enthauptet, Cäcilia in ein kochendes Bad gesetzt; sie überlebte. Dann versuchte der Henker, sie zu enthaupten, doch die Verwundete lebte noch drei Tage. Zur Patronin der Kirchenmusik wurde sie durch einen Übersetzungsfehler: Bei ihrer Heirat soll sie demnach selbst die Orgel gespielt haben.
Auch von Komponisten verehrt
Viele Komponisten widmeten der Heiligen, deren Gedenktag der 22. November ist, Musik, Joseph Haydn gar die Cäcilienmesse. Nach der Patronin der Kirchenmusik wurde in der Diözese Gurk die Cäcilia-Medaille benannt, die Musikern und Komponisten verliehen wird.
An Orgeln sieht man oft auch König David, der als Autor der Psalmen gilt: Seine Harfe soll ihn zur höheren Ebene der Spiritualität gebracht haben.
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