Mit dem traditionellen Konzert an Bruckners Geburtstag, dem 4. September, begann im Linzer Brucknerhaus das Brucknerfest. Stardirigent Riccardo Chailly und seine Filarmonica della Scala waren angereist – ein voller Saal, das Konzert wurde aber auch live nach draußen übertragen. Viele genossen das Klassikevent auf der Picknickdecke.
Riccardo Chailly, der große Dirigent der Mailänder Scala, und seine „Filarmonica“ brachten den Saal im Brucknerhaus zum Bersten. Schon beim Auftritt der Musiker aus Mailand war klar: Hier kommt Weltklasse. Feiner Zwirn, weißes Mascherl, konzentrierte Eleganz – ganz italienisch. Drinnen: volles Haus.
Draußen im Donaupark: einige wenige Genießer auf Liegestühlen und Picknickdecken, die sich ihre ganz persönliche Klangwolke eingerichtet hatten.
Der Prolog zum Brucknerfest, das heuer sehr abwechslungsreich ausfällt, servierte gleich zwei „Vierte“: die Vierte Symphonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und das Vierte Klavierkonzert von Sergei Rachmaninoff.
Den Auftakt machte Sergei Rachmaninoffs viertes Klavierkonzert „Der Fels“. Ein Werk voller elementarer Gegensätze: Idyllische, beinahe entrückte Momente werden von gewaltigen Klangmassen überrollt. Chailly formte daraus ein faszinierendes Wechselspiel von Farben, Spannungen und extremen dynamischen Kontrasten.
Dann betrat Alexander Malofeev die Bühne. 24 Jahre jung, blonde Mähne, schwarzer Schlabberlook – äußerlich der lässige Gegenentwurf zum geschniegelt auftretenden Orchester. Doch sobald er am Flügel saß, war von Lässigkeit keine Spur mehr.
Der 24-jährige Pianist spielte wie ein Gott
Was dieser junge Russe, der in Berlin lebt, dann im Rachmaninoff-Klavierkonzert entfesselte, war eine unglaubliche Performance. Malofeev spielt nicht nur mit den Händen – sein ganzer Körper scheint Teil der Musik zu sein. Er beugt sich in die Tasten, dirigiert zwischendurch mit der linken Hand, nimmt die Musik körperlich in Besitz. Und doch bleibt alles unter einer stupenden technischen Kontrolle. Passagen, bei denen andere Pianisten an die Grenzen des Machbaren geraten, wirken bei ihm beinahe wie ein Kinderspiel. Er beugt sich in die Tasten wie weiland Glenn Gould, aber er singt nicht mit. Man wird hineingezogen in seine Interpretation.
Klassik wird wieder hoch geschätzt
Eine Zugabe war da unausweichlich. Malofeev schenkte dem begeisterten Publikum den Walzer op. 38 von Alexander Skrjabin. Ein pianistisches Feuerwerk, zugleich zerbrechlich und rauschhaft. Nach der Pause dann Tschaikowskis Vierte Symphonie – ein Werk, das während seiner unglücklichen Ehe mit Antonina Miljukowa entstand. Die Beziehung endete bekanntlich im Fiasko. Diese biografische Tragik scheint in der Musik immer wieder durch, insgesamt ein geniales Wechselspiel aus Klage, Sturm und Verspieltheit.
Vor allem der berühmte Pizzicato-Satz hatte es in sich. Die Streicher zupften sich mit geradezu saftigem Körpereinsatz durch die Musik und entführten das Publikum in ein Reich zwischen Märchen, Illumination und musikalischem Zauber.
Im furiosen vierten Satz schließlich zeigte die Filarmonica della Scala noch einmal ihre ganze Klasse. Die Streicher brillierten mit atemberaubender Präzision, die Klangmassen türmten sich auf, und Chailly hielt das Geschehen souverän zwischen Rausch und Kontrolle.
Das Publikum wollte danach noch nicht nach Hause. Als Encore gab es noch einmal Rachmaninoff -der krönende Abschluss eines Abends, an dem die Klassische Klangwolke ihrem Namen alle Ehre machte.
Das Internationale Brucknerfest Linz wird dann am Sonntag in einer Woche (13. September) offiziell eröffnet. Davor steigen heute, Sonntagnachmittag, (6. September) eine eigene Kinder-Klangwolke und am Samstag (12. September), die von Felix Breisach gestaltete visualisierte Linzer Klangwolke unter dem Titel „ATTheEndLinz“ im Donaupark auf.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.