Der Zuckeraustauschstoff Xylit könnte das Herz schädigen. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine Langzeitanalyse der Charité Berlin gekommen. Personen mit hohen Xylitolspiegeln hatten demnach ein deutlich höheres Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall als solche mit niedrigeren Spiegeln.
„Künstliche Süßstoffe werden häufig verwendet, um Zucker zu ersetzen. Xylitol ist ein Zuckeralkohol, der natürlich im Körper als Nebenprodukt des Glukosestoffwechsels vorkommt und in einigen natürlichen Lebensmitteln in sehr geringen Mengen vorhanden ist. Xylit wird außerdem – oft in über 1000-fach höheren Mengen – hinzugefügt, um Lebensmittel, Getränke und Mundpflegeprodukte künstlich zu süßen (...)“, sagten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Trotz seiner zunehmenden Anwendung sei die langfristige Wirkung auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen bisher nicht umfassend untersucht, hieß es weiter. Die Fachleute um Marco Witkowski von der Berliner Universitätsklinik Charité haben die Daten von 17.710 Teilnehmerinnen und Teilnehmern von zwei Beobachtungsstudien analysiert: einer epidemiologischen Langzeituntersuchung aus Kanada und der European Prospective Investigation into Cancer (EPIC)-Norfolk.
Wir stellten außerdem fest, dass hohe Blutwerte von Xylitol bei Hochrisikopersonen mit Herz-Kreislauf-Ereignissen in Verbindung standen.
Marco Witkowski, Kardiologe an der Berliner Universitätsklinik Charité
Höhere Wahrscheinlichkeit für Blutgerinnsel
„In früheren Studien haben wir gezeigt, dass Xylit die Fähigkeit von Blutplättchen zur Bildung von Blutgerinnseln erhöhen kann. Wir stellten außerdem fest, dass hohe Blutwerte von Xylitol bei Hochrisikopersonen über einen Zeitraum von drei Jahren mit Herz-Kreislauf-Ereignissen in Verbindung standen. Hier haben wir untersucht, ob Xylit die kardiovaskulären Ereignisse in einer größeren Stichprobe der Allgemeinbevölkerung über eine viel längere Nachbeobachtung erhöht“, sagte Witkowski. Kardiovaskuläre Ereignisse wurden als Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall definiert.
Das zentrale Ergebnis: Wer einen hohen Xylitolspiegel hatte, hatte auch ein deutlich höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse als Menschen ohne einen hohen Spiegel. Der Unterschied betrug 57 Prozent über einen Nachbeobachtungszeitraum von sechs Jahren. Bekannte Risikofaktoren wie das Alter, Geschlecht, der Rauchstatus und Bluthochdruck wurden herausgerechnet.
Über einen Zeitraum von 30 Jahren betrug der Unterschied noch 18 Prozent. Die Daten würden insgesamt auf eine dosisabhängige Beziehung hindeuten, teilte die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) mit. „Künstliche Süßstoffe werden von Menschen konsumiert, die glauben, sie seien gesünder als Zucker, und werden von den Aufsichtsbehörden allgemein als sicher angesehen“, sagte Witkowski. Über die Herz-Kreislauf-Sicherheit wisse man aber noch wenig.
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