Literatur

„Das Schreiben war mein Rettungsanker“

Literatur
22.08.2026 06:45

Die „Krone“ traf Bestseller-Autor Heinrich Steinfest anlässlich des neuen Buchs in seinem Garten, um mit ihm die Gedanken schweifen zu lassen. 

kmm

„Ich weiß, ich schweife gerne ab“, lacht Heinrich Steinfest. „Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck war so gütig und hat es einmal als Hinschweifungen bezeichnet.“ Dieses Weitertreiben der Gedanken ist nicht nur in seinen Büchern typisch für den 65-Jährigen. Auch beim Gespräch in seinem Garten in Wien-Liesing schweift er von Wittgenstein über Kafka, Trump und den Tod bis zu den Ringeltauben, die sich im Baum gerade ein Nest bauen. Es ist schön, mit ihm ab- und hinzuschweifen.

In seinem neuen Buch „Die Linkshänderinnen“ musste er sich hingegen ein bisschen einschränken, denn er hat sich diesmal für eine Novelle entschieden. „Als Vielschreiber neige ich ja eher zur Romanform, da muss ich mich nicht einschränken. Aber hin und wieder eine Novelle zu schreiben, hat auch seinen Reiz, weil man sich eben mehr disziplinieren muss.“

Das Gefühl des Scheiterns
Apropos – eine kleine Abschweifung sei hier erlaubt: Dass Heinrich Steinfest zu einem Vielschreiber geworden ist, war nicht selbstverständlich. Eigentlich wollte er seine Kreativität in die Malerei fließen lassen. „Doch irgendwann bin ich nicht mehr weitergekommen“, gesteht er. Ein Gefühl des Scheiterns erfasste ihn. „Dieses Gefühl hat mich mein ganzes Leben lang nicht verlassen. Ich habe mir aber nach und nach jenen Ausspruch von Samuel Beckett zu eigen gemacht: ,Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.‘ Und dieses Besser-Scheitern erfüllt mich mitunter durchaus mit Zufriedenheit.“

Bei einer Schreibblockade hilft Staubsaugen
Erst mit 30 begann der mittlerweile vielfach ausgezeichnete Steinfest zu schreiben. „In dieser Krise war das ein Rettungsanker für mich.“ Und hat seitdem – sehr zur Freude seiner Leser – nicht mehr aufgehört. Nur hin und wieder ereilt auch ihn eine Schreibblockade, allerdings ist sie bei ihm nicht mehr als ein „kurzes Innehalten, ein Rauskippen aus der Geschichte“. „Aber dann fange ich an staubzusaugen und zu putzen. Das ist für mich das beste Mittel, um so einen kurzen Durchhänger zu überbrücken. Das führt dazu, dass es bei mir immer relativ sauber ist. Eigentlich ganz praktisch.“

Heinrich Steinfest, „Die Linkshänderinnen“, Piper Verlag, 144 Seiten
Heinrich Steinfest, „Die Linkshänderinnen“, Piper Verlag, 144 Seiten(Bild: Piper)

Von unerhörten Begebenheiten und Notwendigkeiten
Zurück zur Novelle: Goethe definierte sie einst als „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit“. Aber Steinfest wäre nicht Steinfest, wenn er nicht von einer unerhörten Begebenheit zur nächsten und zur nächsten wandern würde. Von einem dieser Zufälle, die das Leben verändern können, zum anderen. „Für mich war ein Satz von Marie von Ebner-Eschenbach sehr prägend: ,Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit.‘“ Und genau so eine Notwendigkeit führt drei völlig unterschiedliche Frauen in einem Flugzeug zusammen – was sie eint, ist nur die Linkshändigkeit. Durch mehrere glückliche Zufälle eröffnen sie schließlich eine Bar, in der alles mit links erledigt werden kann – und werden dank außergewöhnlicher Cocktails und besonderer Atmosphäre schnell im ganzen Land berühmt. Doch dann verschwinden 35 französische Gäste plötzlich spurlos . . .

Es ist eine heitere Geschichte mit all ihren überraschenden Wendungen und Begebenheiten. Eine, in der man am Ende gerne bei den drei Frauen einkehren würde.

Eine Bar sei für ihn „ein Raum, der ein bisschen aus der Welt fällt“, so Steinfest. Und in dem er vermutlich wunderbar herumschweifen kann.

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