Bei dem Referendum in Island über die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen liegt das Lager der Befürworter nach ersten Teilergebnissen knapp vorn. Ein aussagekräftiges Ergebnis wird für Sonntagmittag erwartet.
Demnach stimmten 51,2 Prozent für den Vorschlag der Regierung, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, und 48,8 Prozent dagegen, wie der Sender RUV meldete. Die Angaben basieren auf rund 87.000 ausgezählten Stimmen von insgesamt 270.000 Wahlberechtigten.
Umfragen hatten zuletzt auf ein knappes Rennen hingedeutet. Ein „Ja“ würde Gespräche mit Brüssel ermöglichen. Über einen tatsächlichen EU-Beitritt müsste Island zu einem späteren Zeitpunkt in einem zweiten Referendum entscheiden.
„Ein großer Tag“
Befürworter der Gespräche argumentieren, eine Mitgliedschaft könne die hohen Zinsen im Land senken und angesichts des Krieges in der Ukraine mehr Sicherheit bieten. Gegner befürchten hingegen einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über die für das Land wichtigen Fischereigewässer. „Dies ist ein großer Tag, wir haben jahrelang auf diese Abstimmung gewartet“, sagte Ministerpräsidentin Kristrun Frostadottir am Samstag. Ihre Regierung werde ihre Arbeit unabhängig vom Ausgang fortsetzen.

Island hatte bereits 2009 inmitten einer schweren Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, eine euroskeptische Regierung legte den Prozess jedoch 2013 auf Eis. Sollte das nun durchgeführte Referendum zugunsten von Verhandlungen ausfallen, könnten die Gespräche laut Außenministerium bis Ende 2026 beginnen und 18 bis 24 Monate dauern.
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