Bauern schlagen Alarm

Dürre-Hilfe: Die Lage ist „existenzbedrohend“

Burgenland
27.08.2026 05:00

Schon im Frühjahr protestierten Landwirte gegen Freihandelsabkommen und den zunehmenden Importdruck. Jetzt verschärft die Dürre die Krise. Im Burgenland fresse die Trockenheit den Bauern mittlerweile das Einkommen weg.

Nach langem Ringen einigte sich die Bundesregierung auf ein Dürre-Hilfspaket über 240 Millionen EuroIG Milch, Agrargemeinschaft Österreich und Bündnis Zukunft Landwirtschaft halten die Hilfe zwar für notwendig, aber für unzureichend. In einem offenen Brief rufen sie „Alarmstufe Rot“ aus und verlangen eine Ausweitung des Pakets. Schon im Frühjahr hatten Bauern gegen Freihandelsabkommen und unkontrollierte Importe demonstriert. Seither seien die Erzeugerpreise nicht entsprechend gestiegen, höhere Erträge ausgeblieben. Nun treibe die Dürre immer mehr Höfe in die roten Zahlen.

Burgenländische Bauern warnen: Lage ist existenzbedrohend
Im Burgenland sei die Lage längst existenzbedrohend, warnt Ernst Tschida aus Pamhagen, Obmann des Bündnisses Zukunft Landwirtschaft. Prozentuell sei das Land zwar nicht am schwersten geschädigt. In absoluten Zahlen würden Burgenlands Bauern nach seiner Einschätzung aber am meisten verlieren, weil sie bereits von einem sehr niedrigen Niederschlagsniveau ausgehen.

Seit der Maisaussaat im Frühjahr fielen im Nordburgenland nur rund 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders hart treffe es Mais und Soja. Auch im Mittelburgenland seien die Schäden sehr groß.

140 Millionen müssen direkt auf die Höfe
Einem Betrieb mit rund 150 Hektar Fläche im Seewinkel fehlen laut Tschida heuer um die 40.000 Euro. Das entspricht jenem Betrag, der dem Bauern nach Abzug der Betriebskosten als Jahreseinkommen geblieben wäre.

Streitpunkt sind 140 Millionen Euro, die im vierten Quartal über zwei beitragsfreie Monate bei der Sozialversicherung abgewickelt werden sollen. Die Verbände halten diese Entlastung für zu spät und nicht zielgerichtet. Bestehende Rücklagen bleiben zwar unangetastet. Durch die befristete Kürzung des Bundeszuschusses können künftig aber weniger Rücklagen aufgebaut werden.

Zitat Icon

Wir sind Trockenheit gewohnt, aber jetzt ist die Grenze überschritten. Wir wollen nicht als Bittsteller dastehen.

Ernst Tschida, Landwirt aus Pamhagen und Sprecher des Bündnis Zukunft Landwirtschaft

Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich hatte das Paket zuletzt als „höchst notwendig“ begrüßt. Es verschaffe den Betrieben Luft und müsse rasch sowie unbürokratisch umgesetzt werden. Den drei Verbänden geht das nicht weit genug. Den drei Verbänden geht das nicht weit genug.

Direktzahlungen auf September vorziehen
Sie wollen die 140 Millionen Euro als Inflationsausgleich bei Agrarförderungen und Zahlungen für Umweltleistungen einsetzen. Bereits erbrachte Leistungen sollen sofort abgegolten und Direktzahlungen auf September vorgezogen werden. Gefordert werden zudem direkte Hilfen für Betriebsmittel und Futter, Beiträge der Bundesländer sowie eine Herkunftskennzeichnung in Gastronomie und Verarbeitung.

Vertreter der Landwirtschaft fordern runden Tisch
Ein runder Tisch soll über zusätzliches Geld und eine Neuausrichtung der Agrarpolitik beraten. Bleiben Nachbesserungen aus, steht die nächste Demonstration im Raum. „Wir sind Trockenheit gewohnt, aber jetzt ist die Grenze überschritten. Wir wollen nicht als Bittsteller dastehen“, sagt Tschida.

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