Bis zu 1000 Rinder, Ziegen und Schafe sollen weiterhin in einem niederösterreichischen Mastbetrieb trotz Tierhalteverbot unter horrenden Bedingungen leiden – wir haben berichtet. Besonders dramatisch: Auf Videoaufnahmen sind extrem magere, teils bewegungsunfähige Tiere zu sehen. Die Behörde ist offenbar machtlos.
Die Vorwürfe gegen den amtsbekannten Betrieb im Bezirk St. Pölten-Land wiegen schwer. Rinder und Ziegen sollen wie schon 2022 zwischen Fäkalien und toten Artgenossen gehalten werden, einige der auf Video festgehaltenen Tiere seien akut unterernährt und krank.
Für die Aufdecker des „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) ist klar: Den betroffenen Tieren müsse umgehend geholfen werden, bevor weitere qualvoll sterben. Dafür werde am Donnerstag direkt vor dem Betrieb demonstriert. Doch die Abnahme von hunderten Tieren gleichzeitig dürfte die Behörde vor organisatorische Probleme stellen, auch wenn bereits „Gefahr in Verzug“ ist.
Landwirt mit Vorwürfen konfrontiert
David Richter vom VGT verfolgt den Fall schon seit Jahren. Am Mittwoch früh am Morgen stellte er den Landwirt, gegen den seit 2023 ein Tierhaltungsverbot besteht, bei der Betriebszufahrt zur Rede. Richter konfrontierte ihn mit Fotos von verhungerten Ziegen, kranken Tieren und Rindern in der Gülle.
Katzen fast überfahren
Der Landwirt bestritt, weiterhin im Stall zu arbeiten – obwohl die aktuellen Videoaufnahmen das Gegenteil zeigen. „Während des Gesprächs hätten der Landwirt und auch seine Frau mit ihren Autos fast die Katzen überfahren, die vor dem Hof herumlaufen“, so Richter zur „Krone“.
Besonders scharf kritisiert der Verein die bisherigen Kontrollen. Die Bezirkshauptmannschaft hatte erklärt, der Betrieb werde engmaschig kontrolliert und die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorgaben geprüft.
Zahnlose Kontrollen?
Für Richter ist das angesichts der nun bekannt gewordenen Zustände nicht nachvollziehbar: Entweder seien die Kontrollen „vollkommen zahnlos“ oder es gebe keine Konsequenzen bei diesen weitreichenden Übertretungen. Schließlich seien bereits 2022 – noch vor dem Tierhaltungsverbot – massive Missstände aufgedeckt worden.
Für viele „Krone“ Leser und Tierfreunde im ganzen Land ist unverständlich, warum hier offenbar die Behörde keine handfeste Möglichkeit hat, den Betrieb nach all diesen Verfehlungen dichtzumachen.
Schließung nicht vorgesehen
Die zuständige Bezirkshauptmannschaft gibt sich auf erneutes Nachfragen der „Krone“ zugeknöpft. „Das Tierschutzgesetz sieht eine Betriebsschließung – anders als dies etwa in der Gewerbeordnung der Fall ist – nicht vor“, lässt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Maximilian Kargl per Mail wissen.
Auch bezüglich des 2023 erteilten Tierhalteverbots an den Landwirt habe man keine Handhabe, da die offizielle Haltung der Tiere auf die Gattin übertragen wurde. Deren Verfahren zum Tierhalteverbot wiederum liegt noch beim Verwaltungsgerichtshof Niederösterreich.
„Das frühere Tierhalteverbot kann somit gegen den neuen Halter nicht durchgesetzt werden“, lässt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Kargl wissen.
Wer trägt nun die Verantwortung?
Während die Behörde auf fehlende rechtliche Möglichkeiten verweist, bleiben die Fragen bestehen: Wie konnte es trotz jahrelanger Kontrollen erneut zu solchen Zuständen kommen? Und wer greift ein, wenn ein Tierhalteverbot offenbar umgangen werden kann? Für die Tiere zählt jedenfalls jede Stunde – sie können nicht darauf warten, dass Zuständigkeiten geklärt sind. Fazit: Hier wird zu Recht vor dem Hof protestiert!
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.