Die Aussprache in einem Wiener Lokal eskalierte Anfang November völlig: Ein Tschetschene verblutete noch vor Ort am Gehsteig. Drei Familienväter stehen nun wegen Mordes vor Gericht. Der Hauptangeklagte überrascht mit seiner Aussage.
Vier Schüsse hallten am 6. November in Wien-Ottakring durch die Nacht. „Das Opfer stirbt noch am Gehsteig vor dem Lokal“, so die Staatsanwältin im Landesgericht. Und wie so oft ging es bei der Bluttat ums Geld – genauer: um einen dubiosen Kredit über 50.000 Euro. Die Bedingungen dürften nicht beiden Seiten gepasst haben.
Aussprache eskalierte völlig
„Die Stimmung heizte sich auf. Sie machen sich eine Aussprache aus“, sagt die Anklägerin. Zu welcher der Erstangeklagte eine Faustfeuerwaffe mitgenommen haben soll. „Relativ schnell entsteht ein Streit.“ Und der 35-Jährige soll abgedrückt haben. Zwei Opfer wurden verletzt – eines schwer. Der Tschetschene verblutete noch vor Ort. Wegen Mordes stehen nun drei Familienväter vor den Geschworenen.
Die drei Männer zeigen mit dem Finger aufeinander. Besonders der Hauptangeklagte, der in die Türkei geflüchtet war und von dort aber wieder nach Österreich abgeschoben wurde, präsentiert eine ganz neue Version: Er sei nur ein Mitläufer gewesen. Der dubiose Kredit betreffe seinen zweitangeklagten Freund. Und der Drittangeklagte habe die Waffe mitgenommen, dann auch geschossen.
Verdutzte Blicke von Mitangeklagten
Warum er bei seiner ersten Einvernahme die Schuld auf sich nahm? Die beiden anderen hätten ihn und seine Familie bedroht. Dafür erntete er verdutzte Blicke von den Mitangeklagten, die das anscheinend zum ersten Mal hören. „Es gibt keine Anzeichen, dass jemand anderer als der Erstangeklagte eine Waffe hatte“, hält die Staatsanwältin fest.
Dem 36- und dem 39-Jährigen wird der psychische Beitrag zum Mord vorgeworfen – sie hätten gewusst, dass ihr Freund eine Waffe dabeihatte und gewillt war, sie einzusetzen. Das streiten die Männer vehement ab. Und: „Die bloße Anwesenheit bei einem Geschehen reicht für einen Tatbeitrag nicht aus“, bringt Verteidiger Farid Rifaat vor.
In dem Mordprozess sind insgesamt drei Verhandlungstage mit einer Reihe von Zeugen angesetzt. Die glänzten aber schon im Ermittlungsverfahren mit widersprüchlichen Angaben. Am 14. September sollen dann Urteile fallen – es droht bis zu lebenslange Haft.
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