Die Erde im Tiroler Zentralraum kommt nicht zur Ruhe. Mit einem Beben der Stärke von 3,7 wurden in der Nacht auf Mittwoch wieder viele Menschen aus dem Schlaf gerissen. Nirgends in Österreich bebte die Erde in den vergangenen zwei Wochen so oft wie in Tirol. Warum das so ist und ob man mit einer Fortsetzung der Serie rechnen muss.
Unzählige Erdbeben listet der Erdbebendienst der GeoSphere Austria allein in den vergangenen zwei Wochen in Tirol auf. Der aktuelle Erdstoß von Mittwochnacht ist also bei weitem kein isoliertes Ereignis. Seit August wird im Tiroler Zentralraum eine auffällige Häufung von Erdbeben registriert. Begonnen hat die Serie in Hall mit einem Beben der Stärke von 3,5. Besonders deutlich wurde die Aktivität dann Ende September.
„Dachte, mein Haus bricht zusammen“
Das bislang stärkste Beben der aktuellen Serie datiert von Samstag, 26. September. Die Erdstöße erreichten an diesem Tag kurz vor 10 Uhr eine Stärke von 3,8. „Das ganze Haus hat gewackelt, ich dachte, jetzt bricht alles gleich zusammen“, berichtete ein Zeuge damals. Ein anderer schilderte: „Es war wirklich unheimlich. Im ersten Moment bin ich richtig erschrocken.“ Aus Patsch berichtete ein Augenzeuge damals, dass teilweise sogar Menschen auf die Straßen liefen, da ihre Häuser so extrem wackelten.
Das Beben am Mittwoch in den frühen Morgenstunden, kurz nach 3 Uhr, dürften zwar ob der Uhrzeit deutlich weniger mitbekommen haben, trotzdem meldeten viele Zeugen, dass sie aufgrund der Erdstöße aus dem Schlaf gerissen wurden.
Aktuelle Serie: Bisher 21 Schadensmeldungen
Nirgends in Österreich bebte die Erde in den vergangenen Wochen öfter als in Tirol. Am häufigsten im Großraum Innsbruck/Hall. Bisher seien laut GeoSphere Austria 21 Schadensmeldungen eingetroffen. Dabei handle es sich vorwiegend um kleinere Risse im Verputz.
Erdbebenserien können entstehen, wenn sich Spannungen im Untergrund in mehreren einzelnen Erdstößen lösen. Dass innerhalb relativ kurzer Zeit mehrere spürbare Beben auftreten, bedeute allerdings nicht automatisch, dass ein großes Erdbeben bevorsteht.
Das stärkste je in Österreich gemessene Erdbeben hatte eine Magnitude von 5,8. Dass es ein Beben mit einer noch größeren Stärke gibt, ist sehr unwahrscheinlich.

Fee-Alexandra Rodler, GeoSphere Austria
Bild: GeoSphere Austria
Im Schnitt 60 spürbare Beben pro Jahr in Österreich
„In Österreich werden von der Bevölkerung durchschnittlich 60 Erdbeben pro Jahr wahrgenommen – dies entspricht im Mittel etwa fünf Erdbeben pro Monat“, heißt es vonseiten der GeoSphere Austria. Die meisten Beben würden sich durch ein deutliches Rütteln bemerkbar machen, doch etwa alle zwei bis drei Jahre müsse in Österreich auch mit leichten Gebäudeschäden durch ein stärkeres Erdbeben gerechnet werden. „Schwere Schäden an Gebäuden kommen bedeutend seltener vor, hier beträgt die durchschnittliche Wiederkehrperiode etwa 120 Jahre“, so die Experten weiter.
Wo in Österreich die aktivsten Zonen sind
Im Zeitraum von 2000 bis 2025 ereigneten sich laut GeoSphere Austria die meisten fühlbaren Erdbeben in Tirol, gefolgt von Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Vorarlberg, Oberösterreich, Salzburg und Burgenland.
Das stärkste je in Österreich gemessene Erdbeben hatte eine Magnitude von 5,8 – im Wiener Becken. „Dass es hierzulande ein Beben mit einer noch größeren Stärke gibt, ist sehr unwahrscheinlich“, sagt Fee-Alexandra Rodler, Seismologin bei der GeoSphere Austria.
Grundsätzlich könnten beinahe überall in Österreich Erdbeben vorkommen. Zu den aktivsten Zonen gehören laut GeoSphere das Inntal und dessen Seitentäler, das Wiener Becken, das Semmeringgebiet, das Mur- und Mürztal sowie das Rheintal in Vorarlberg.
Was Tirol betrifft, würden die Hauptbereiche der Erdbebenaktivität im Raum Innsbruck und zwischen Imst und Nassereith und im Stubaital liegen.
Keine verlässliche Vorhersage möglich
Eine entscheidende Frage, die die Bevölkerung am meisten interessiert, lautet: Kommen noch weitere, vielleicht noch stärkere Beben? Eine konkrete Vorhersage sei nach heutigem wissenschaftlichem Stand nicht möglich. Aus einer Häufung von Erdstößen lasse sich allein nicht zuverlässig ableiten, dass unmittelbar ein starkes Erdbeben folgen wird. Als sicher gilt hingegen, dass es zumindest noch einige schwächere Beben geben wird.
Seismologin Fee-Alexandra Rodler betont abschließend: „Angst brauchen die Menschen aber keine haben.“
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