Festnahmen in Italien

Erntehelfer zu 14 Stunden Arbeit pro Tag gezwungen

Ausland
07.10.2026 17:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Südlich von Rom sollen Migrantinnen und Migranten dazu gezwungen worden sein, bis zu 14 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche zu arbeiten. Die Menschen seien bei Regen und großer Hitze auf Feldern eingesetzt worden, teilten die Behörden mit, die nun ermitteln.

Die ausländischen Arbeitskräfte durften demnach auch bei Krankheit nicht von der Arbeit fernbleiben. Zudem standen sie nach bisherigen Erkenntnissen unter ständiger Kontrolle sogenannter „Caporali“, die als Aufseher und Vermittler auftraten. Wer bei Kontrollen floh, zu wenig Leistung erbrachte oder krankheitsbedingt ausfiel, konnte seinen Job verlieren. Die Menschen hatten keine Arbeitserlaubnis und wurden nach Stückzahl bezahlt. Ausgezahlt wurden zwischen 80 Cent und 1,50 Euro pro Kiste gesammelter Landwirtschaftsprodukte.

In dem Fall Caserta südlich von Rom gab es jetzt Festnahmen. Allerdings sind laut der Gewerkschaft Flai Cgil mindestens 200.000 Beschäftigte in Italiens Landwirtschaft von Unregelmäßigkeiten betroffen. Viele von ihnen arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen. Die unerlaubte Arbeitsvermittlung zeigt sich laut Fachleuten vor allem in zwei Varianten: Bei der klassischen Schwarzarbeit gehören Gewalt, Drohungen und Kontrolle über die Lebensbedingungen der Arbeitskräfte zum System. Bei der grauen Form erscheinen die Arbeitsverhältnisse legal, tatsächlich werden diese aber durch gefälschte Angaben manipuliert. Oft werden auf den Lohnabrechnungen auch nur wenige Arbeitstage angegeben, obwohl die Menschen tatsächlich deutlich länger arbeiten.

Regierung hat bei Bekämpfung keinen Erfolg
Für die Arbeiterinnen und Arbeiter hat das Folgen wie den fehlenden Anspruch auf landwirtschaftliches Arbeitslosengeld und erschwerte Möglichkeiten, den Aufenthaltsstatus zu sichern. Die Regierung in Rom hat immer wieder versucht, die Missstände zu bekämpfen, doch ohne Erfolg. Vor allem im Süden des Landes ist die Lage schwierig. Die angeworbenen ausländischen Arbeitskräfte bekommen ein Flugticket und eine Arbeitserlaubnis für eine Saison, die sie teuer bezahlen müssen. Auch für ihre Unterkünfte müssen sie mit ihrem Hungerlohn aufkommen.

Seit 2016 gibt es in Italien ein Gesetz gegen das „Caporalato“, das Unternehmen fördern sollte, die sich an faire Arbeits- und Sozialstandards halten. Doch von rund einer Million landwirtschaftlichen Betrieben gehören bisher nur 11.895 dem Netzwerk zur Zertifizierung fairer Arbeitsbedingungen an.

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