Der österreichische Handel hat ein schwieriges erstes Halbjahr 2026 hinter sich. Trotz eines Plus im Umsatz verzeichnet man nominell ein Minus. Die Folge: Es gibt viele Insolvenzen und weniger Jobs. Neben der Teuerung belastet Bürokratie wie die neue EU-Verpackungsverordnung vor allem kleine Händler.
Gerade kleine Geschäfte am Land können sich nicht mehr auf den Umsatz im stationären Handel verlassen und versenden ihre Waren deswegen in ganz Europa. Erste Unternehmer hören aber nun damit auf – zu kompliziert und teuer ist die neue Verpackungsverordnung, die seit 12. August gilt.
„Es ist für mich verständlich, dass manche Händler deswegen den Versand einstellen“, sagt der Bundesobmann der WKO-Sparte, Rainer Trefelik, dazu – und weist auch auf die Konsequenzen für Kunden hin. „Gerade die Kleinen machen den Handel bunt. Die großen Städte sehen ja heute überall gleich aus, weil die gleichen Ketten in jeder Innenstadt sind. Die Kleinen bieten außergewöhnliche Waren an, aber sie haben nicht die Masse und die Kraft, um mitzuhalten. Sie werden erschlagen.“
Die Paketsteuer, die ab 1. Oktober kommt, die im Burgenland diskutierte Lkw-Maut, die seiner Einschätzung nach die Inflation und die Mieten treiben würde – „das geht sich für die Kleinen nicht mehr aus“, mahnt Trefelik.
„Kein Aufschwung in Sicht“
Überhaupt hat der Handel ein durchwachsenes halbes Jahr hinter sich. „Es ist kein Aufschwung in Sicht“, sagt Handelsforscher Peter Voithofer, der die Zahlen erhoben hat. Die Umsätze steigen zwar um 2,1 Prozent, die reale Entwicklung des Absatzvolumens ist aufgrund der Inflation von drei Prozent jedoch um 0,7 Prozent gesunken. Einzig die Kfz-Wirtschaft entwickelte sich positiv. Der Juni „rettet“ die Halbjahresbilanz übrigens mit 4,5 Prozent Umsatzplus.
Die Preise stiegen im Einzelhandel um zwei Prozent – „somit wirkt er inflationsdämpfend“, sagt Voithofer.
Gewinner
Verlierer
In den einzelnen Branchen zeigt sich ein differenziertes Bild. Große Gewinner sind die Spielwarenhändler, aber auch Sporthandel, Apotheken und Blumen entwickelten sich gut. Verlierer ist der Schmuckhandel – die Umsätze steigen zwar, die Materialkosten aber deutlich höher. „Die Preise für Schmuck stiegen um 10,3 Prozent“, sagt Voithofer.
Die Insolvenzen bleiben mit 539 ungefähr auf Vorjahresniveau (neun weniger). Die Zahl der Beschäftigten ging um 0,3 Prozent zurück. 556.061 Österreicher arbeiten im Handel, 294.085 davon im Einzelhandel.
Trefelik fordert nach „sechs Jahren permanenter Krisensituation“ nun, „eine Lösung für die Sonntagsöffnung zu erarbeiten“. Die aktuelle Situation sei „fern jeder Fairness“.
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