China-Gene im Japaner

Mazda CX-6e: Die andere Seite der Schirmherrschaft

Nachrichten
30.09.2026 10:30

Lange Zeit hat Mazda nicht allzuviel Augenmerk auf Elektroautos gelegt, dafür liefern die Japaner nach der Limousine 6e nun mit dem SUV CX-6e einen Augenschmaus. Unter der schönen Hülle steckt viel chinesische Technik. Das sorgt für Überraschungen – im positiven wie im negativen Sinn, wie wir im „Krone“-Test erfahren haben.

„Vorsicht, Sie haben die Scheibe rechts hinten verloren!“ Ganz so schlimm war es dann doch nicht, das Fenster war einfach noch offen, als wir ausgestiegen sind. Die KI-Assistentin hat offenbar (noch) Probleme mit der Übersetzung ins Deutsche. Der Mazda CX-6e selbst ist eine Übersetzung aus dem Chinesischen ins Japanische. Wie schon bei der Limo 6e nützt Mazda auch beim Elektro-SUV CX-6e die Kooperation mit Changan. Unter der schönen Hülle steckt ein Changan Deepal S07.

Das Schwestermodell Changan Deepal S07.
Das Schwestermodell Changan Deepal S07.(Bild: Changan)

Die China-Gene sind innen sichtbar: Keine Tasten außer an Lenkrad und Türen, kein Tacho-, dafür ein Head-up-Display. Und vor allem ein riesiger 26,45-Zoll-Bildschirm in 5K-Auflösung von der Mitte bis zum Beifahrer.

Der beleuchtete Beifahrer
Der Sinn der Schirmherrschaft? Der Copilot darf etwa das Navi bedienen, kann aber z.B. auch den Haustiermodus aktivieren, der dafür sorgt, dass auch ohne unsere Anwesenheit für die felligen Freunde die Klimaanlage weiterläuft. Oder der Beifahrer stellt den Ruhemodus an. Dann ist aber das ganze Display dunkel. Hilfreicher wäre es, wenn ein Teil davon dimmbar wäre, damit z.B. Kinder auf dem Beifahrersitz schlafen können. Schließlich ist hier auch eine von drei Isofix-Verankerungen.

Der 26,45-Zoll-Bildschirm leuchtet das Cockpit aus.
Der 26,45-Zoll-Bildschirm leuchtet das Cockpit aus.(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)

Die Sitze sind überaus komfortabel, bieten trotzdem guten Seitenhalt – und sogar Lautsprecher in den vorderen Kopfstützen. Man ist eingebettet in „veganes“ Leder, Materialien und Verarbeitung sind über jede Kritik erhaben. Einzig ein bisschen Klavierlack hat es auch noch hier herein geschafft: Die Schale für zwei Smartphones – nur eine davon lädt induktiv – glänzt uns schwarz entgegen.

Rahmenlose Seitenscheiben sehen nach Coupe aus.
Rahmenlose Seitenscheiben sehen nach Coupe aus.(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)

Plus bedeutet immer Kameraspiegel
Hat man die bessere Takumi-plus-Austattung gewählt, dann leuchten einem in den vorderen Türen sogar zwei weitere Bildschirme entgegen. Jene für die Kameraspiegel. Die bieten nur im Retourgang Linien zur Orientierung, vergrößern das Bild beim Blinken, tatsächlich haben wir uns nach einiger Zeit aber daran gewöhnt.

Die Rückfahrkamera hilft mit Linien, allerdings nur im Retourgang.
Die Rückfahrkamera hilft mit Linien, allerdings nur im Retourgang.(Bild: Stefan Burgstaller)

Nicht gewöhnen konnten wir uns an die übereifrigen Assistenten. Ständig wird man ermahnt, der Spurhalte-Assi greift allzu oft grob ins Lenkrad. Will man die „Helfer“ ausschalten, muss man sich durch das Infotainment wühlen. Wo statt schnell erkennbaren Symbolen nur kleine Schrift regiert. Das lenkt ab. Auch die Sprachassistentin kann da nicht weiterhelfen, genauso wenig wie die Gestensteuerung.

Nightfall Violet kostet 1050 Euro Aufpreis, sieht aber vor allem abends betörend aus.
Nightfall Violet kostet 1050 Euro Aufpreis, sieht aber vor allem abends betörend aus.(Bild: Stefan Burgstaller)

Viel Platz für die Reise
Dabei ist der CX-6e eigentlich ein wunderbarer Reisebegleiter: Auf 4,85 Metern Länge bietet er jede Menge Platz für fünf Passagiere. Auch auf der Rückbank herrscht für Knie und Scheitel reichlich Freiraum. Die Hinterbänkler werden hier sogar so ernst genommen, dass sie von ihrer kleinen Steuerkonsole aus die Klima-Steuerung fürs ganze Auto übernehmen können – da werden Eltern mit verspielten Kindern ihre Freude haben. Der Kofferraum ist mit 468 Litern nicht allzu groß für ein SUV dieses Formats, dafür warten unter der Fronthaube weitere 80 Liter „Frunk“.

Der Kofferraum bietet 468 l Stauraum.
Der Kofferraum bietet 468 l Stauraum.(Bild: Stefan Burgstaller)

Viel drinnen fürs Geld
Für 46.990 Euro geht’s üppig ausgestattet los, so sind z.B. Panorama-Glasdach, Sitz-Heizung und -Belüftung, Adaptiv-Tempomat sowie Vehicle-to-Load-Funktion immer Serie. Alternativ gibt es nur noch die Takumi-Plus-Ausstattung für 3000 Euro Aufpreis, da sind dann sind u.a. die Alufelgen 21 statt 19 Zoll groß, lassen sich auch die Rücksitze beheizen und belüften – und man kommt in den Genuss der Kameraspiegel.

Matrix-LED-Scheinwerfer statt LED-Scheinwerfer mit Fernlicht-Assistenten hätten wir uns bei so viel Luxus auch noch gewünscht. Ach, und bei Takumi-plus ist übrigens das Interieur immer violett-weiß. Nicht nur, wenn man das betörend schöne Nightfall Violett für 1050 Euro als Außenlackierung wählt…

Pananorama-Glasdach ist immer Serie, in Takumi-Plus-Ausstattung ist innen alles violett-weiß.
Pananorama-Glasdach ist immer Serie, in Takumi-Plus-Ausstattung ist innen alles violett-weiß.(Bild: Stefan Burgstaller)

Nur eine Wahl
Beim Antrieb gibt es auch nur eine Wahl: Ein Elektro-Motor am Heck mit 190 kW/258 PS treibt das 2130 Kilogramm schwere SUV an. Tritt ins Kreuz gibt es bei 7,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h keinen, aber es geht zügig voran bis 185 km/h Spitze. Der E-Motor darf sogar ein bisschen künstlich knurren, auch beim Verzögern. Lenkradwippen für die Rekuperationsstufen gibt es keine, Ein-Pedal-Fahren auch nicht.

An der C-Säule gibt es Luftschlitze gegen Verwirbelungen.
An der C-Säule gibt es Luftschlitze gegen Verwirbelungen.(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)

Beim Fahrwerk stand Komfort im Mittelpunkt, der CX-6e bügelt über alles hinweg. In den Kurven muss man dafür eine gewisse Neigung zur Seitenneigung in Kauf nehmen. Die Lenkung liefert dafür ausreichend Feedback, hier spürt man durch, dass Mazda-Ingenieure Hand angelegt haben.

Die Lehre aus dem Akku-Wirrwarr
Beim Akku hat Mazda aus der Verwirrung beim 6e gelernt, wo es eine Long-Range-Batterie mit schwacher Ladeleistung und eine kleine Batterie mit höherer Ladeleistung gab. Das wird mit dem Jahrgang 2027 abgeschafft, dann steht auch beim 6e nur noch eine Batterie zur Verfügung.

Beim CX-6e gibt es gleich von Anfang an ausschließlich eine Wahl: eine LFP-Batterie mit 78 kWh verspricht bis zu 484 km Reichweite, der Verbrauch wird laut WLTP mit 18,9 kWh/100 km angegeben. Im Test kamen wir auf 430 km, bei schneller Fahrt inklusive deutscher Autobahn auf 330 km. Das ist ordentlich.

Ein Frunk mit 80 Litern reicht für das Ladekabel und noch einiges mehr.
Ein Frunk mit 80 Litern reicht für das Ladekabel und noch einiges mehr.(Bild: Stefan Burgstaller)
(Bild: Stefan Burgstaller)

Am AC-Stecker geht es mit 11 kW dahin. Soweit, so normal. Die Überraschung im positiven Sinn lieferte das E-SUV aber am Schnellader: Dort zeigte es uns statt der offiziellen 200 kW bis zu 220 kW an. Ein guter Wert für 400-Volt-Technik. Die Ladekurve blieb auch längere Zeit oben, so hielt der CX-6e exakt die versprochenen 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent ein.

Fahrzit?
Der Mazda CX-6e ist ein Hingucker, bietet viel Platz und reichlich Serien-Ausstattung für einen anständigen Preis. Auch die Ladeleistung kann sich für ein E-Auto mit 400-Volt-Technik sehen lassen. Die Bedienung wird einige allerdings überfordern.

Warum?
umfangreiche Serienausstattung
viel Platz
effizienter Antrieb und schnelles Laden

Warum nicht?
umständliche Bedienung
nervöse Assistenzsysteme
kein Ein-Pedal-Fahren möglich

Oder vielleicht...
Tesla Model Y, Skoda Enyaq, VW ID. 4, BYD Sealion 7

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