Erwerbstätige sind in Österreich im Durchschnitt 14,7 Tage im Krankenstand. Nach Branchen betrachtet gibt es die meisten Krankentage unter anderem im Gesundheits- und Sozialwesen (17,6), bei den Beamten (16,5) und bei Kfz-Handel und -Instandsetzung (17,1).
Mit 9,1 Tagen gab es im Vorjahr einen historischen Tiefststand bei der durchschnittlichen Dauer der Krankenstände. Im Jahr 1965 lag dieser Wert mit 18,6 Tagen mehr als doppelt so hoch – wir berichteten. Gleichzeitig hat sich aber die Zahl der Krananstandstage nicht in diesem Ausmaß geändert. 1965 lag sie bei 15,8. Das bedeutet, dass die Arbeitnehmer kürzer im Krankenstand bleiben, aber dafür öfter im Jahr.
ÖGB warnt vor Kürzungen beim bezahlten Krankenstand
Der Gewerkschaftsbund warnt davor, dass viele Menschen aus Angst vor Jobverlust krank zur Arbeit gehen. „Wer krank ist, muss sich erholen können – ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen“, sagt ÖGB-Gesundheitsexpertin Julia Stroj zur „Krone“.
Der ÖGB fordert gesunde Arbeitsplätze, mehr Gesundheitsprävention und einen verlässlichen Schutz im Krankheitsfall: „In diesem Sinne lehnen wir auch die immer wieder aufkeimende Forderung, den Krankenstand erst ab dem zweiten Krankenstandstag zu bezahlen, entschieden ab“, so Stroj.
Spannend sind die Erhebungen der Krankenstände nach Diagnose. Von knapp sechs Millionen Diagnosen betrafen 2,5 Millionen Krankheiten des Atmungssystems. An zweiter Stelle (757.925) liegen „infektiöse und parasitäre Krankheiten“ und an dritter Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes.
Neun von zehn Arbeitnehmern gehen krank arbeiten
Auch die Arbeiterkammer sieht Handlungsbedarf. „Arbeitsdruck, Personalmangel und steigende psychische Belastungen sind für viele Beschäftigte nach wie vor Alltag“, betont Ines Stilling, AK-Bereichsleiterin Soziales. Nach Umfragen der AK Wien gehen neun von zehn Arbeitnehmern krank arbeiten, weil sie Kollegen nicht belasten wollen oder der Arbeitsdruck zu hoch ist. „Es braucht mehr Prävention, ausreichende Personalressourcen und Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit der Beschäftigten schützen“, so Stilling.
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