Tatort Seniorenheim

Höchststrafe nach Mord an 87-jähriger Pensionistin

Gericht
13.08.2026 15:43

Die 87-Jährige war völlig wehrlos, als sie der Türke in ihrem eigenen Bett in der Luxus-Seniorenresidenz in Wien-Döbling ermordete. Im Wiener Landesgericht meint er: „Ich bin ein Betrüger. Aber ich hab‘ die Dame nicht umgebracht.“ Der Gerichtsmediziner macht dem 61-Jährigen aber schnell einen Strich durch die Rechnung. Er muss nicht rechtskräftig lebenslang in Haft.

Der Fall erschütterte weit über die Mauern des Seniorenheims Park Residenz Döbling hinweg. Am 19. Jänner wurde dort eine Seniorin in ihrem Bett ermordet. Nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung war klar: Die 87-jährige Österreicherin war qualvoll erstickt ...

Mit Plastikblumen am Tatort
Im Wiener Landesgericht sitzt am Donnerstag ein 61-Jähriger vor den Geschworenen – jener Mann, der sich am Tattag mit einem Plastikblumenstrauß in die Luxus-Pensionistenresidenz geschlichen haben soll. „Er erfasste die Frau am Hals, stieß sie auf das Bett“, sagt die Staatsanwältin. Dann drückte der Türke ihr ein Polster ins Gesicht. „Es ist davon auszugehen, dass er äußerst brutal vorgegangen ist“, klagt sie den schwer Kriminellen wegen Mordes an. 

Gesichtet: Mit einem Plastik-Blumenstrauß betrat der 61-Jährige die Seniorenresidenz.
Gesichtet: Mit einem Plastik-Blumenstrauß betrat der 61-Jährige die Seniorenresidenz.(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, zVg)

Denn das ist nicht sein erstes – jedoch schwerstes – Verbrechen in dem Altersheim. Der 61-Jährige ist nämlich ein Berufsbetrüger, einen richtigen Job hat er nie gehabt. Kommt er zu Geld, verspielt er es im Onlinecasino. Das letzte Mal wurde er 2020 zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt, weil er einer Seniorin unglaubliche 180.000 Euro aus der Tasche gelockt hatte – einer Bewohnerin der Döblinger Parkresidenz ...

Auf der Suche nach früherem Betrugsopfer
Genau diese Dame wollte er ein halbes Jahr nach seiner Haftentlassung, also am 19. Jänner, wieder besuchen. Der Grund: Natürlich Geld. Was der Angeklagte jedoch nicht wusste: Sein früheres Betrugsopfer war bereits verstorben. Also habe er sich laut Staatsanwaltschaft ein neues gesucht – und da fiel ihm die 87-Jährige auf. „Sie wurde von den Mitarbeitern als freundlich und immer Schmuck tragend beschrieben.“ Und das sei auch dem Türken aufgefallen. Als sie ihm im Zimmer freiwillig kein Geld geben wollte, habe er es sich gewaltsam genommen.

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Ich hab‘ auch gefragt, ob ich ihre Ringe haben darf. Sie hat Nein gesagt und sie auf einmal geschluckt.

Angeklagter schiebt die Todesursache auf drei Ringe

Der 61-Jährige beschwört jedoch, trotz massiv belastender Beweislage: „Okay, ich bin ein Betrüger. Aber ich hab‘ die Dame nicht umgebracht.“ Den Geschworenen versucht er weiß zu machen: „Die Türe war offen. Sie ist am Boden gesessen. Ich hab‘ der Dame geholfen, sie ins Bett gebracht“, stellt er sich fast als Held dar, gibt jedoch zu 300 Euro von ihrem Nachtkastl genommen zu haben. „Ich hab‘ auch gefragt, ob ich ihre Ringe haben darf. Sie hat Nein gesagt und sie auf einmal geschluckt.“ Brisant: In dem Mund der toten 87-Jährigen wurden sogar drei Schmuckstücke gefunden ...

Gutachter: „Das ist nicht kausal“
Und der angeklagte Mörder hält daran fest, dass die Frau an diesen Ringen erstickt sei. „Ich hätte bleiben sollen oder es jemandem sagen sollen“, meint er sein Fehlverhalten zu kennen. Der Gerichtsmediziner ist aber mehr als deutlich: „Die Ringe spielen mit dem Tod nicht kausal zusammen.“ Vielmehr weist das Opfer alle typischen Erstickungsmerkmale auf – durch fremde Hand. Abgebrochene Fingernägel, Haarbüschel und Kratzspuren zeugen von ordentlicher Gegenwehr durch die betagte Wienerin. 

Schockfund in der „Park Residenz Döbling“: Eine 87-Jährige wurde in ihrem Bett ermordet.
Schockfund in der „Park Residenz Döbling“: Eine 87-Jährige wurde in ihrem Bett ermordet.(Bild: Imre Antal)

Kurz nachdem der Herzschrittmacher des Opfers den Tod verzeichnet hatte, zeigen Videoaufnahmen, wie der Türke die Seniorenresidenz wieder verlässt. Erst am nächsten Morgen wurde die Frau in ihrem Bett gefunden. Der Tresor war leer geräumt, Wertgegenstände fehlten. Die Staatsanwältin hält fest: „Das Opfer war ein Zufallsopfer“ – das sinnlos sterben musste.

Angeklagter Türke ist gefährlich
Ebenfalls von der Anklage umfasst: schwerer Betrug im Dezember 2024 und ein Einbruchsdiebstahl. Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem angeklagten Mörder mit sieben Vorstrafen außerdem eine schwere Persönlichkeitsstörung, die ihn gefährlich macht. Es setzt die Höchststrafe für den 61-Jährigen: lebenslange Haft und Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum – nicht rechtskräftig.

In der Seniorenresidenz in Döbling ist indes nach dem Riesenschock wieder Ruhe eingekehrt. Und natürlich habe man nach dem schrecklichen Vorfall die Sicherheitsmaßnahmen evaluiert, mehrere Securitys in dem Pflegeheim positioniert. Nach einigen Wochen zogen die aber wieder ab – auf Wunsch der 260 Bewohner.  

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