„Wollte nicht töten“

Steirer (42) drosch mit Holzstuhl auf Frau ein

Steiermark
13.08.2026 14:31

Weil jene Frau, die ihm in der Not Unterschlupf gewährt hatte, ihn laut seinen Aussagen sexuell belästigt hatte, griff ein Steirer zu einem sieben Kilo schweren Holzstuhl und drosch auf sie ein! „Ich wollte ihr die Grenzen aufzeigen“, begründet er sein Tun. Weil er sie laut Staatsanwaltschaft töten wollte, sitzt er nun vor dem Geschworenengericht in Graz.

Bei der Arbeit lernten sich der Angeklagte und das Opfer kennen und mögen. Weil der 42-jährige Steirer Probleme mit seiner Ex hatte, bat er die Kollegin um Unterschlupf. „Er hat eines Tages bei mir angeklopft, und ich habe ihm Einlass gewährt. Das war der größte Fehler meines Lebens“, erzählt die 53-Jährige mit zittriger Stimme dem Geschworenengericht in Graz von ihrem Leid, das ihr im November letzten Jahres widerfahren ist. 

Zunächst begann der Tag noch friedlich. Sie hatte Bier gekauft, er hatte Chili gekocht. Doch: Weil beide dem Alkohol nicht abgetan waren und er sich auch noch zwei „Benzos eingeschmissen“ hatte, können sie sich heute nur noch an Fragmente erinnern: „Durch diese Kombination ist bei mir gleich Schicht im Schacht, Game Over“, beteuert der Angeklagte. „Das bedeutet?“, fragt der vorsitzende Richter Hanspeter Draxler nach. „Dass ich mich dann an nichts mehr erinnern kann.“

Mit ein paar Details kann er dann doch dienen: „Ich war in meinem Zimmer und habe Serien geschaut. Dann ist sie hereingekommen und hat mir die Hose runtergezogen. Ich sagte, sie soll gehen, daraufhin hat sie meine Kinder beschimpft. Da hab‘ ich Rot gesehen. Ich wollte ihr aber nur ihre Grenzen aufzeigen und sie keinesfalls töten!“ 

Zitat Icon

Durch die Kombination von Alkohol und Benzos ist bei mir gleich Schicht im Schacht, Game Over.

Der Angeklagte

Um ihr die „Grenze aufzuzeigen“, griff er laut Staatsanwaltschaft zu einem sieben Kilo schweren Stuhl aus Eichenholz, drosch auf sie ein, zog sie an den Haaren und schlug sie erneut. Erst, als vom Stuhl nichts mehr außer Holzspäne übrig war und sie bewusstlos und blutüberströmt am Boden lag, ließ er von ihr ab und legte sich schlafen. Gegen 20 Uhr wurde sie wach: „Ich habe ihn atmen gehört und wusste so, dass er schläft. Ich war froh, dass ich mich überhaupt noch bewegen konnte und schaute, dass ich irgendwie auf allen Vieren aus der Wohnung komme.“ Die Schwerstverletzte – 16 Knochen waren gebrochen, sie war übersät von Rissquetschwunden und Abschürfungen – schleppte sich die Stiegen des Mehrparteienhauses hinunter. Eine Nachbarin wurde durch einen Rumpler aufmerksam, schaute durch den Türspion und erblickte die misshandelte Frau. 

Laut dem psychiatrischen Sachverständigen Manfred Walzl leidet der Mann, der bereits seine Ex-Frau mit drei Faustschlägen niedergestreckt hatte und deswegen auch verurteilt wurde, unter einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und sei brandgefährlich. Zum Zeitpunkt sei er zurechnungsfähig gewesen, wenn auch etwas eingeschränkt. Deswegen wurde unter anderem auch eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum beantragt.

Ein Urteil wird in den Abendstunden erwartet.

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