Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf einer umstrittenen Kurilen-Insel sorgt für neue Spannungen mit Japan. Tokio bezeichnet die Inseln als eigenes Territorium und legte offiziell Protest gegen den Besuch ein.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat erstmals die Insel Iturup besucht. Japan reagierte mit einem „starken Protest“. Die sogenannten nördlichen Territorien seien „ureigenes japanisches Territorium“, erklärte das Außenministerium in Tokio.
Putin besuchte nach Angaben des Kremls unter anderem eine Fischfabrik, ein Krankenhaus und eine Schule. Iturup gehört zu den vier südlichsten Kurilen-Inseln, die sowohl Russland als auch Japan beanspruchen. Derzeit stehen sie unter russischer Verwaltung.
Streit seit dem Zweiten Weltkrieg
Der Konflikt um die Inselgruppe belastet die Beziehungen zwischen Japan und Russland seit Jahrzehnten. Die Sowjetunion eroberte die Kurilen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Seitdem streiten beide Länder über die Zugehörigkeit der vier südlichen Inseln. Wegen des Territorialstreits haben Japan und Russland bis heute keinen Friedensvertrag nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. Die strategisch wichtigen und fischreichen Kurilen liegen zudem nur wenige Kilometer von der japanischen Insel Hokkaido entfernt und haben für Russland eine große militärische Bedeutung.
Regierung spricht von „inakzeptablem“ Besuch
Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi kritisierte Putins Besuch scharf. Er verletze die Gefühle des japanischen Volkes und sei „absolut inakzeptabel“. Sie forderte Russland auf, den Ernst der Situation zu erkennen. Auch Russland und China wiesen die japanischen Gebietsansprüche zurück. Die Botschafter beider Länder warnten vor einer möglichen Remilitarisierung des asiatisch-pazifischen Raums.
Das japanische Außenministerium bestellte anschließend den russischen Botschafter ein. Die Beziehungen zwischen Tokio und Moskau sind seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 zusätzlich stark belastet. Putins Besuch erfolgte zwei Tage vor dem 81. Jahrestag der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Zuletzt hatte 2010 der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew als erster Kremlchef die umstrittenen Inseln besucht.
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