Deutschland plant ein weitreichendes System über Europa, das vor angreifenden Raketen schützen soll. Österreich sollte sich besser nicht darauf verlassen.
Rund 30 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze entfernt, im bayrischen Allgäu, wird Deutschland einen von drei Standorten seines geplanten Arrow-3-Raketenabwehrsystems aufbauen. Wie kürzlich bekannt wurde, werden hier weitreichende Radarsysteme, Kommandounterstände und Abschussrampen in den Himmel wachsen – und weit in den österreichischen Luftraum hineinblicken. Denn die israelischen Abfangwaffen, die nach Bayern kommen, haben eine Reichweite von bis zu 2400 Kilometern. Sie wurden entwickelt, um interkontinentale Raketen, etwa aus dem Iran oder aus Russland, bei ihrem überschallschnellen Einflug abzuschießen.
Jeder Start kostet rund drei Millionen US-Dollar
Israel betreibt das System seit 2023. Erst im März konnte eine iranische ballistische Rakete in 100 Kilometern Höhe außerhalb der Atmosphäre abgefangen werden. Die Kosten dafür sind ebenfalls astronomisch: 6,5 Milliarden US-Dollar hat die Bundeswehr veranschlagt, jeder Start einer Rakete verschlingt etwa drei Millionen Dollar.
Österreich ab 2030 unter dem Schirm – theoretisch
Mit der Inbetriebnahme in Deutschland ab 2030 würde das österreichische Staatsgebiet gänzlich unter den deutschen Schutzschirm passen (siehe Grafik unten). Kann das neutrale Österreich bei seiner Verteidigung also wieder Trittbrett fahren und sich eine eigene Raketenabwehr gegen ballistische Gefahren aus Terrorstaaten sparen?
Eher nicht, lässt das deutsche Verteidigungsministerium auf „Krone“-Anfrage wissen. „Arrow 3 wurde durch Deutschland zum Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger beschafft“, so ein Sprecher des Ministeriums. „Die Konfiguration des Waffensystems ist dementsprechend auf den Schutz Deutschlands optimiert.“ Auch ein Austausch von Radardaten mit Nachbarstaaten sei nicht vorgesehen.
Im Ernstfall und beim Einflug mehrerer feindlicher Raketen wird sich Deutschland wohl auf Ballungsräume auf seinem eigenen Staatsgebiet konzentrieren.

Bild: Klemens Groh
Beim Österreichischen Bundesheer hat man das bereits kommen sehen: Nachteil sei es zwar keiner, dass so ein potentes System direkt an unserer Grenze stehen wird, sagt Bundesheer-Sprecher Michael Bauer. Doch im Ernstfall und beim Einflug mehrerer feindlicher Raketen werde sich Deutschland wohl auf eigene Ballungsräume konzentrieren.
Wille für eigenes Abwehrsystem ist da, das Geld nicht
Also lieber doch ein eigenes, langstreckenfähiges Abwehrsystem für Österreich aufbauen und betreiben? Der Wille ist da, doch das Geld nicht: An etlichen Stellen im Aufbauplan des Bundesheeres fehlt es trotz Rekordbudgets an Geld. Man wolle sich daher auf die Bekämpfung von Zielen in mittlerer Reichweite – also Kampfflugzeuge, Marschflugkörper und größere Drohnen – konzentrieren. Immerhin sind diese Abwehrsysteme, Stichwort Sky Shield, zum Teil bereits eingepreist.
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