Glücksfall in Wien

Äußerst selten: Leuzistische Hirschkuh gesichtet

Wissen
03.08.2026 09:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seltene Naturbeobachtung in Wien! Auf einer Ackerfläche ist eine leuzistische Hirschkuh gesichtet worden. Eine äußerst rare Genmutation färbt das Fell des Tieres fast weiß – und macht es besonders verwundbar. 

Leuzistisches Rotwild zählt zu den seltensten Erscheinungen in der heimischen Tierwelt. Ursache ist eine rezessiv vererbte Genmutation, die nur dann sichtbar wird, wenn beide Elterntiere das entsprechende Gen tragen. Anders als beim Albinismus fehlen beim Leuzismus die pigmentbildenden Zellen, während die Augen ihre natürliche dunkle Färbung behalten.

„Faszinierend und verletzlich“
Die seltene Momentaufnahme eines solchen Tieres gelang dem Naturfotografen Alexander Längauer. „Eine leuzistische Hirschkuh in freier Wildbahn beobachten und fotografieren zu können, ist ein außergewöhnlicher Glücksfall“, kommentiert Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich. „Solche Begegnungen zeigen, wie faszinierend und zugleich verletzlich unsere heimische Tierwelt ist.“

Am Rand eine Maisfelds lief die Hirschkuh vor die Kamera.
Am Rand eine Maisfelds lief die Hirschkuh vor die Kamera.(Bild: Alexander Längauer)

Schweres Erbe
Die helle Körperfärbung erschwere das Überleben erheblich, erklärt Trcka-Rojas in einer Aussendung. Denn weiße Tiere fallen deutlich stärker auf und sind dadurch größeren Gefahren ausgesetzt – sei es durch Fressfeinde, den Straßenverkehr oder menschliche Einflüsse. Auch innerhalb von Wildtiergruppen können auffällig gefärbte Tiere Nachteile erfahren. Sie würden innerhalb sozialer Gruppen häufiger gemieden und seien oft „bevorzugtes“ Ziel von Drohgebärden und Raufereien bei Rangkämpfen.

Wissen schützt

  • Der Naturschutzbund bittet, Naturbeobachtungen auf www.naturbeobachtung.at bzw. der gleichnamigen App zu teilen.
  • Experten erfahren so mehr über Vorkommen und Verbreitung heimischer Arten – was die Basis für deren Schutz ist.

Abgelichtet wurde die Hirschkuh auf einer offenen Ackerfläche, wo sie kaum Deckung hat. Gerade diese Situation verdeutlicht laut Naturschutzbund die Bedeutung sogenannter Trittsteinbiotope, etwa kleiner Waldstücke, Hecken, oder Feuchtgebiete, die als grüne Korridore eine intensiv genutzte Agrarlandschaft durchziehen. Solche „Überlebensinseln“ bieten Wildtieren Rast- und Rückzugsorte, ermöglichen Wanderungen zwischen Populationen und sichern den genetischen Austausch.

Unverzichtbare Lebensräume
Gerade für Rotwild, das große Aktionsräume nutzt und saisonal weite Strecken für die Nahrungssuche zurücklegt, sind solche vernetzten Lebensräume unverzichtbar. Gleichzeitig gewinnen Trittsteinbiotope angesichts des Klimawandels zunehmend an Bedeutung, da sie Wanderbewegungen in geeignetere Lebensräume ermöglichen.

Rotwild trägt zur biologischen Vielfalt bei
Rothirsche erschaffen dabei selbst durch Äsen, Scharren und Tritt wertvolle Kleinstlebensräume wertvolle Kleinstlebensräume für zahlreiche Pflanzen-, Insekten- und Amphibienarten. Zudem verbreitet Rotwild Pflanzensamen über weite Distanzen und trägt damit wesentlich zur natürlichen Dynamik unserer Landschaften bei. Die seltene Begegnung mit der leuzistischen Hirschkuh mache daher sichtbar, wie wichtig eine vernetzte Landschaft für das Überleben heimischer Wildtiere ist, betont der Naturschutzbund.

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