Bayreuther Festspiele

Wagners Volkstribun darf ins Allerheiligste

Kultur
26.07.2026 09:23

150 Jahre Bayreuther Festspiele: Das Wagner-Festival spielt erstmals Hitlers angebliche Lieblingsoper „Rienzi“. Premiere ist am Sonntag.

Um das ideale Haus für sein Musiktheater zu bekommen, schritt Richard Wagner im oberfränkischen Bayreuth auf einer Anhöhe selbst zur Tat.

Unter größten Schwierigkeiten versuchte er zunächst per „Crowdfunding“, Geld für ein Festspielhaus aufzutreiben. Doch erst die Geldspritzen von Bayerns König Ludwig II. ließen Wagners Traum vom maßgeschneiderten Opernhaus wahr werden. Es wird seither von Wagnerianern als heilige Pilgerstätte verehrt. Nach vier Jahren Bauzeit konnten ab 13. August 1876 die ersten Festspiele auf dem „Grünen Hügel“ stattfinden. Man gab zur Eröffnung den „Ring des Nibelungen“. Die Gästeschar war vom Feinsten: Bruckner, Saint-Saëns, Tschaikowsky, Tolstoi, Nietzsche und Kaiser Wilhelm I. reisten an.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir trotz enger Finanzen so ein umfangreiches Programm anbieten können“, sagte Katharina Wagner, Urenkelin Richards und Festspiel-Leiterin, im Vorfeld dem BR.  

Denn der Plan, sämtliche Opern, die Wagner für sein Festspielhaus zur Aufführung erlaubt hat, in der Jubiläumssaison zu spielen, wurde zu teuer. So findet auch der „Ring des Nibelungen“ nicht als szenische Neuproduktion, sondern in einem „kuratierten“ Setting aus KI-Projektionen statt.

Musikalisch ist unter Christian Thielemann mit einer Best-of-Besetzung jedenfalls Großes zu erwarten. Eine echte Premiere bringt der Festspielauftakt: Erstmals wird das Frühwerk „Rienzi“ gespielt, das den Aufstieg und Fall des gleichnamigen römischen Volkstribunen zeigt. Das Dirigat liegt bei Nathalie Stutzmann, die in Bayreuth schon mit „Tannhäuser“ reüssieren konnte, in weiblichen Händen.

Spielplan Bayreuther Festspiele

  • „Rienzi“ mit Andreas Schager in der Titelrolle, Inszenierung: Alexandra Szemerédy, Magdolna Parditka
  • „Der Ring Des Nibelungen“ unter Christian Thielemann, künstlerisch-technische Konzeption: Marcus Lobbes, Nils Corte
  • Wiederaufnahmen 2026:„Der fliegende Holländer“ und „Parsifal“
  • Vorschau 2027:„Parsifal“, Dirigent: Christian Thielemann, Ausstattung: Neo Rauch, Regie: Ersan Mondtag und „Lohengrin“, Regie: Ilaria Lanzino
  • Wiederaufnahmen 2027:„Die Meisteringer von Nürnberg“ und „Tannhäuser“

Dass mit „Rienzi“ Hitlers angebliche Lieblingsoper – das Vorspiel wurde gerne auf Reichsparteitagen gespielt – in den Bayreuther Kanon aufgenommen wird, sorgt für Diskussionen. Ebenso, dass der Publizist Michel Friedman, der eine Rede über die Nähe der Wagners zu Hitler halten sollte, aus- und dann doch wieder eingeladen wurde. Er spricht heute bei einer Gedenkveranstaltung. Das verspricht Brisanz, die hoffentlich auch das Opernprogramm bietet. 

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