Selten hat ein Debütroman so viele Diskussionen ausgelöst wie jener von Caro Claire Burke. In „Yesteryear“ beschäftigt sich die US-Autorin mit dem Internet-Phänomen der „Tradwives“ und durchleuchtet das Leben dieser mit perfekten Bildern inszenierten Familienidyllen.
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„Die Mutter, die jede Frau sein wollte, und die Frau, von der sich jeder Mann wünschte, dass sie zu Hause auf ihn wartete. Wie eine Nonne in einem Porno – völlig abwegig, aber bei Gott, es funktionierte.” Die Protagonistin von Caro Claire Burkes Debüt-Roman „Yesteryear“ ist eine Bilderbuch-Hausfrau. Sie bäckt fröhlich schwanger mit dem sechsten Kind ihr eigenes Sauerteig-Brot, holt die Eier frisch aus dem Hühnerstall der malerischen Farm, während ihr Ehemann die Kuh melkt.
Inszenierte Idylle
Digitale Geräte gibt es für die Kinder nicht, sie spielen behütet vor der Welt mit allem, was Gott und Natur zu bieten haben. Natalie Heller Mills führt ein traditionelles Leben – und inszeniert ihren Alltag stolz in den sozialen Medien. Eine heile Welt mit guten alten Werten.
Doch die sorgsam gestellte und digital zurechtgeschnittene Idylle zerbricht, als Natalie eines Tages in der Realität aufwacht, die sie in ihren geschönten Bildern verherrlicht. Sie findet sich in der Vergangenheit wieder – ohne Strom, ohne Wasserleitung und ohne moderne medizinische Versorgung.
In „Yesteryear“ beschäftigt sich die US-Autorin Burke kritisch mit dem Internet-Phänomen der sogenannten „Tradwives“, die ihr traditionelles Eheleben mit perfekten Bildern inszenieren. Ein Lebensstil jenseits moderner Versuchungen, der vor allem junge Mütter mit einem unrealistischen wie rückwärtsgewandten Frauenbild unter Druck setzt.
Burke stellt mit ihrem Roman die aktuell vor allem in den USA immer stärker werdende Glorifizierung dieser konservativen Familien- und Rollenbilder doppelt in Frage. Einmal, weil sie das Netz an Helfern hinter dem „einfachen Leben“ entblößt. Das zweite Mal, weil sie die vermeintlich heile Vergangenheit auf die historisch harte Realität der Pionierzeit prallen lässt.
Ein spannender Spiegel unserer Zeit, der zeigt: Früher war nicht alles besser – und Fragen von morgen lassen sich nicht mit Antworten von gestern lösen.
Frauenbilder und Geschlechterrollen sind gerade wieder heftig umkämpft. Auf Social Media erleben traditionelle Rollenmodelle ein Comeback, gleichzeitig kämpfen viele Frauen noch immer mit den gleichen Fragen wie ihre Mütter und Großmütter und zerreiben sich zwischen Kindern, Beruf und verzerrten Schönheitsidealen. Wie sich diese Frauenleben in der aktuellen Literatur spiegeln und welchen Frauen wir da gerade begegnen – darüber spricht Judith Belfkih mit Literaturexpertin Franziska Trost.
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Die beiden sprechen unter anderem über die viel diskutiuerten Neuerscheinungen „Yesteryear“ von Caro Claire Burke sowie „Luft nach unten“ von Tamara Štajner und geben Tipps für die Urlaubslektüre.
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