Nach Verzögerungen

Auszeit-WG in Wien: Erster Intensivtäter zog ein

Wien
22.07.2026 11:49

Monatelang verzögert, jetzt ist sie da: Die umstrittene Auszeit-WG für junge Intensivtäter in Wien-Simmering hat den Betrieb aufgenommen. Ein 13-jähriger Bub ist bereits eingezogen, ein weiteres Kind soll bald folgen. Kritik am Konzept gibt es trotzdem – sogar aus den eigenen Reihen der Stadt.

In der Wiener Auszeit-WG für strafunmündige Intensivtäter brennt seit Kurzem Licht. Vor rund einer Woche zog das erste Kind ein – ein 13-jähriger Bub. Details nennt die Stadt aus Gründen des Kinderschutzes nicht. Ein weiteres Kind soll bald folgen.

Selbst eine Orientierungshilfe hatte sein Verhalten zuvor nicht ändern können. Weil akute Gefahr für ihn selbst und andere bestand, griff die nächste Stufe des Fünf-Punkte-Plans: die Unterbringung in der WG. Der Aufenthalt verlaufe plangemäß, heißt es aus dem Büro von Integrationsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS).

Stadt: Bauliche Mängel statt fehlender Gesetze
Eigentlich sollte die Einrichtung schon im Mai öffnen, tatsächlich ging es erst im Juli los. Dass der fehlende bundesweite Rechtsrahmen dahinterstecken könnte, weist die Stadt zurück. „Die Verzögerung ist ausschließlich auf die baulichen Adaptierungen zurückzuführen“, heißt es aus dem Büro Emmerling.
Rechtlich stützt sich die WG auf das Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie das Heimaufenthaltsgesetz. Damit seien in Wien alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Der erste Systemsprenger ist vorerst mal weg vom Fenster
Der erste Systemsprenger ist vorerst mal weg vom Fenster(Bild: Tobias Steinmaurer)

Forderung an Justizministerin
Es fehlt eine bundesgesetzliche Regelung für geschlossene Einrichtungen – die fordert Emmerling vom SPÖ-geführten Justizministerium ein. „Dass sich seit über einem Jahr eine Arbeitsgruppe im Justizministerium mit dieser Frage, bisher ohne Ergebnis, beschäftigt, sorgt im Sinne der Bevölkerung für Unverständnis“, kritisiert sie. Ihre Forderung: „Es müssen endlich Taten folgen, damit geschlossene Einrichtungen österreichweit möglich sind.“

Kinder können bis zu zwölf Wochen festgehalten werden
Bis zu zwölf Wochen dauert ein Aufenthalt. Aufgenommen werden Elf- bis 13-Jährige, die wiederholt Raub oder Einbrüche begangen haben. Umgangssprachlich werden diese auch als Systemsprenger bezeichnet. „Den Kindern sollen Perspektiven eines Auswegs ihrer kriminellen Laufbahn aufgezeigt werden“, so Emmerling. Ob das gelingt, ist offen. Selbst in der Kinder- und Jugendhilfe MA 11 gibt es Zweifler. Auch das Vertretungsnetz und Volksanwaltschaft übten zuletzt Kritik. Aber auch die Gesellschaft hat Schutz verdient!

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