Entdeckungsreise auf die harte Tour: Trotz Wind und Regen, die ihm unentwegt entgegenschlagen, macht ein sportlich ehrgeiziger Beamter aus dem Burgenland seinen Weg. Er will die „Mission Nordkap“ meistern.
Noch schnell ein liebevolles Küsschen von „seiner“ Karin vor der Friedensburg in Stadtschlaining, dann trat Ernst Artner sofort kräftig in die Pedale. Pünktlich um sechs Uhr in der Früh legte der Burgenländer am vergangenen Samstag los. Nach seinen aufsehenerregenden Ultratouren nach Rom, Paris, Athen, Lissabon, Berlin und Istanbul zog es ihn wieder auf die Straße.
„Pass auf dich auf, Ernst!“
Die Familie und Freunde waren versammelt, um ihm alles Gute für seine neue „Mission Nordkap“ zu wünschen. Stolze 3800 Kilometer und beachtliche 21.200 Höhenmeter lagen beim Start vor ihm. „Diese anspruchsvolle, weite Strecke von Stadtschlaining bis ans Ende Europas mit dem Rennrad zu bewältigen, ist die größte sportliche und mentale Herausforderung, der ich mich bislang gestellt habe“, verriet Ernst Artner kurz vor der Abfahrt.
Bis ins Detail geplant
Hinter ihm lag bereits ein langer Weg. „Über Monate hinweg habe ich mich akribisch auf dieses Projekt vorbereitet – sowohl körperlich als auch bei der Routenplanung und der Optimierung meines Equipments“, teilte der durchtrainierte Polizist (51) aus Bad Tatzmannsdorf mit. Sein Ziel ist es, die atem(be)raubende Strecke in maximal 16 Tagen zu meistern – ganz alleine ohne Begleitfahrzeug.
Die knifflige Route führte zunächst über Wiener Neustadt nach Wien. „Ab der Bundeshauptstadt bin ich exakt der Strecke gefolgt, die ich schon von meiner 24-Stunden-Challenge nach Berlin kenne“, ließ der Ausnahmesportler von unterwegs ausrichten. Über Znaim und Jihlava radelte er unermüdlich quer durch Tschechien.
Schon zu Beginn eine Belastungsprobe
300,7 Kilometer, 3035 Höhenmeter, elf Stunden und 58 Minuten im Sattel – bereits der erste Tag hatte es in sich. 150 Kilometer lang starker Gegenwind und drohende Muskelkrämpfe machten den Auftakt zur ernsten Belastungsprobe.
Nach praktisch keiner Minute Schlaf brachte die zweite Etappe Starkregen, Kälte und etliche Anstiege: 267,8 Kilometer, 2353 Höhenmeter, elf Stunden und elf Minuten in Bewegung. Der dritte Tag begann um 3.15 Uhr bei nur zehn Grad Celsius. Wiederholter Regen, permanente Kälte und starker Gegenwind auf den letzten 130 Kilometern sorgten schon in Deutschland für Bedingungen wie hoch im Norden. Die Bilanz: 321,2 Kilometer, 1104 Höhenmeter, 13 Stunden und 43 Minuten auf dem Rad.
Am 21. Juli, dem vierten Tourtag, strampelte sich Ernst Artner um fünf Uhr wieder ab. Bereits zu Mittag überschritt er die 1000-Kilometer-Marke und verließ Deutschland planmäßig mit der Fähre von Rostock nach Gedser in Dänemark. Auf ihn warten noch viele Strapazen später in Schweden und Finnland bis zum Nordkap.


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