GUTEN MORGEN

Offensivleckerbissen | Glanzloses Finale

Offensivleckerbissen. Erstmals 104 Spiele bei einer Fußball-WM: Das Finale zwischen Spanien und Argentinien gestern Abend in New Jersey haben Sie höchstwahrscheinlich auch gesehen – aber alle 103 Matches davor ebenso? Ich nicht. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass nicht wenige Spiele dieser WM in Amerika irgendwann tief in der – europäischen – Nacht angesetzt waren. Und daran, dass manche Paarungen in der Vorrunde wenig erwarten ließen. Wenig versprochen hat man sich auch von Spiel 103 in der Nacht auf Sonntag. Die Matches um den traditionell wenig begehrten Platz 3 sind üblicherweise zu Recht keine Straßenfeger. Und dann wird man plötzlich bis weit nach Mitternacht vom Spiel England gegen Frankreich in den Bann gezogen. Eine wahre Torflut, die schließlich bei 6:4 für die Inselkicker abgepfiffen wurde. Ein Offensivleckerbissen, wie man ihn noch selten zuvor erlebt hat. Ein gutes Vorzeichen für das Finale am Sonntag?

Glanzloses Finale. Nein, das Finale ist eine weitaus ernstere Angelegenheit. Wenn Europameister Spanien und Weltmeister Argentinien aufeinandertreffen und sich zur besten Mannschaft der Welt krönen wollen, dann regiert zunächst die Vorsicht. Die Pausenshow mit Madonna, Shakira und Justin Bieber fällt aufregender aus als die 45 Fußballminuten davor. Kein Tor – dabei weiß man, dass beide Mannschaften Tore schießen können. Wir Österreicher haben es hautnah erlebt. Gegen Argentinien verlor unser Team in der Vorrunde 0:2, gegen Spanien im Sechzehntelfinale 0:3. Durften wir davon ableiten, dass die Spanier noch stärker sind als die Argentinier? „Ich will ein bissl mehr Fußball sehen“, verlangte Andi Herzog als Co-Kommentator im ORF zu Recht nach einer mehr als schwachen Final-Stunde. Den enttäuschenden Auftritt der Südamerikaner verglich Schmähbruder Herzog später mit der Performance der Österreicher gegen Spanien: „Im Vergleich zu Argentinien haben wir gespielt wie die Brasilianer in ihrer Glanzzeit.“ Österreichischer Höhepunkt dieses Finales? „Live is Life“ als Mittanz- und Mitsing-Musik in der Trinkpause der zweiten Hälfte! Ansonsten quälte sich das Spiel mitsamt den gequälten Zuschauern in die Verlängerung, wo den so überlegenen Spaniern in Minute 107 endlich die Erlösung gelang. 1:0, ein glanzloses Finale einer überwiegend glänzenden Weltmeisterschaft.

Kommen Sie gut durch den Montag!

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